Zeitung Heute : Das Bessere ist der Feind des Guten

Vier Preisträger stehen in diesem Jahr mit insgesamt weiteren 138 Bewerbern für die Innovationskraft der Region

Harald Olkus Reinhart Bünger
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Gespannte Erwartung gestern Abend im Berliner Kino Kosmos: Zum 25. Mal wurde der Innovationspreis Berlin/Brandenburg verliehen, dieses Mal turnusmäßig in Berlin. Unter sieben Nominierten für den Innovationspreis 2008 hatte die Jury unter dem Vorsitz von Manfred Hennecke vier Preisträger ausgewählt. Harald Wolf, Berlins Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns überreichten die Auszeichnungen.

Preisträger im Jubiläumsjahr sind das Institut für Radiologie der Charité (Schwerpunkt Experimentelle Radiologie), das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung, die PharmaSol GmbH und die Siemens AG. Die ersten drei nahmen die Preise stellvertretend für ihre Partner aus Forschung und Wirtschaft entgegen.

Ebenfalls nominiert waren die Berliner Unternehmen micro resist technology GmbH mit Orno stamp, einem hoch innovativen Material zur Herstellung von Prägestempeln für Strukturen im Mikro- und Nanometerbereich, die MSG Lithoglas AG mit ihrer Additiven Mikrostrukturierung von Glas, und die ScIENION AG mit sci SWIFT, einer Neuheit im Flüssigkeits-Handling in Laboren. Die sieben Nominierten waren von einer 16-köpfigen Jury aus 142 Bewerbungen ausgewählt worden.

Seit 1984 prämiert die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen herausragende Produktentwicklungen, Dienstleistungen und Konzepte regionaler Unternehmen mit dem Innovationspreis. Die Auszeichnung wird seit 1992 gemeinsam mit dem Brandenburger Ministerium für Wirtschaft für Innovationen vergeben, die in den Bundesländern Berlin oder Brandenburg verwertet werden. Der Innovationspreis ist mit jeweils 10 000 Euro dotiert und wird jährlich an maximal fünf Bewerber vergeben. 104 Bewerberinnen und Bewerber wurden seit1984 mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.  Schwerpunktbranchen sind die Medizintechnik, Biotechnologie, sowie die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT).

„Besonders erfreulich ist, dass die vier Preisträger mit ihren Innovationen die gemeinsame Innovationsstrategie für Berlin und Brandenburg repräsentieren“, sagte Senator Harald Wolf. „Medizintechnik und Pharmaforschung, Halbleiter- und Solartechnik sowie die Forschung für effektivere und umweltschonende Energieerzeugung – das sind Schwerpunkte, die wir fördern und entwickeln.“

Brandenburgs Wirtschaftsminister Junghanns betonte, dass drei Preise an Projekte gehen, „bei denen Wirtschaft und Wissenschaft die Innovation im Schulterschluss gestartet und umgesetzt haben. Das ist genauso bemerkenswert wie der Umstand, dass ein länderübergreifendes Verbundprojekt einen Preis erhält“.

Anlässlich der 25. Preisverleihung wurde zum ersten Mal der Ehrenpreis für herausragende Nachhaltigkeit verliehen. Er ging an Christine F. Kreiner, die 2001 und 2007 mit ihrem Unternehmen Acri.Tec Innovationspreisträgerin Berlin/Brandenburg war. Der Beirat der Partner des Innovationspreises hatte die Ehrenpreisträgerin ausgewählt. Seit Bestehen des Innovationspreises haben sich 3000 Bewerber an der Ausschreibung beteiligt. Zehn Unternehmen wurden mehrfach ausgezeichnet.

Nach einem Rückgang im Vorjahr hatte die Zahl der Bewerbungen zum Innovationspreis wieder das frühere Niveau erreicht. Mit 57 Prozent überproportional angestiegen ist dabei der Anteil der Unternehmensgründer, gleichzeitig haben sich nur fünf große Firmen an der Ausschreibung beteiligt. Jurypräsident Manfred Hennecke, Präsident des Bundesamtes für Materialprüfung, bedauerte, dass so wenig etablierte Unternehmen an dem Wettbewerb teilnehmen und wünschte sich künftig auch mehr Bewerbungen aus dem Handwerk, dem Bauwesen und der Dienstleistungsbranche.

Eine anlässlich des Jubiläums von den Initiatoren des Innovationspreises in Auftrag gegebene Studie („Die Innovationsregion Berlin-Brandenburg) bestätigt die positiven Wirkungen des Innovationspreises. Während der Innovationsindex zwischen 1997 und 2007 bundesweit um rund zehn Prozent sank, konnte die Region Berlin-Brandenburg einen Anstieg um rund 4,5 Prozent verzeichnen.

Die Befragung der bisherigen Preisträger ergab, dass nahezu alle Ausgezeichneten nach der Preisverleihung Arbeitsplätze schaffen und ihren Umsatz steigern konnten. 90 Prozent der preisgekrönten Innovationen sind erfolgreich am Markt eingeführt und 84 Prozent zum Patent angemeldet. Den Preis selbst bezeichnen 72 Prozent der ausgezeichneten Unternehmer und Forscher als willkommenes und wirkungsvolles Instrument zur Imageförderung ihrer Unternehmen und Einrichtungen sowie für das Marketing.

In der aktuellen Studie des Consulting-Unternehmens des DIW Berlin, der DIW econ, die im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft RöverBrönner KG und weiteren Förderern des Innovationspreises in Auftrag gegeben wurde, heißt es weiter: Die Region Berlin-Brandenburg habe zwar ihr zukünftiges innovatives Potential – in Form des hohen Humankapitals – verbessern können. Dieses wurde aber bisher nicht ausreichend zur Schaffung von Ideen genutzt. Da das verarbeitende Gewerbe in der Region Berlin-Brandenburg in den letzten Jahren an Bedeutung verloren habe und grundsätzlich schwächer vertreten sei als in den meisten anderen Bundesländern, könnte es insgesamt zu einer relativen Unterschätzung der Ideen in der Region Berlin-Brandenburg kommen. Gleichwohl: Die große Mehrheit der befragten Unternehmen und Forschungseinrichtungen (92 Prozent) gab an, dass es sich bei den preisgekrönten Innovationen um Marktneuheiten handelte. Mit anderen Worten: es wurden nur in acht Prozent der Fälle Produkte beziehungsweise Dienstleistungen prämiert, die eine Verbesserung darstellten. 83 Prozent der prämierten Innovationen wurden in den Markt eingeführt. Die bislang unterrepräsentierten Branchen sollen nun zur Teilnahme im kommenden Jahr ermutigt werden, damit es 2009 vielleicht wieder für einen Handwerksmeister heißt: „And the Winner is...“

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