Zeitung Heute : Das Bildungsklima bessert sich – ganz langsam

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Die Leistungen deutscher Schüler haben sich zwischen den Pisa-Tests im Jahr 2000 und der jüngsten Erhebung im Jahr 2003 in Mathematik und den Naturwissenschaften etwas verbessert (siehe auch Seite 2). Möglicherweise liegt das daran, dass die Defizite hier schon länger durch den mathematisch-naturwissenschaftlichen Schultest TIMSS bekannt waren und der Unterricht sich im Zuge des großen Sinus-Programms von Bund und Ländern weiter

entwickelt hat. Kultusminister und auch Bildungsforscher meinen, die Erfolge seien außerdem auf einen „Wandel des allgemeinen Bildungsklimas“ zurückzuführen.

Hier einige Ergebnisse:

DEUTSCHLANDS BESTE MATHEMATIKER

Vier Bundesländer liegen in Mathematik bei Pisa 2003 über dem OECD-Durchschnitt von 500 Punkten: nämlich

Bayern (533 Punkte), Sachsen (523 Punkte), Baden-Württemberg (512) und Thüringen (510 Punkte). Bei Pisa 2000 hatten nur Bayern und Baden-Württemberg über dem internationalen Mittelwert gelegen. Bayern verbesserte sich jedoch weiter, so dass es nun in der internationalen Spitzengruppe liegt, die Finnland in Mathematik mit 544 Punkten anführt. Verbessert haben sich auch andere Bundesländer: Sachsen-Anhalt erreichte sogar 48 Punkte mehr, das entspricht dem Lernzuwachs von über einem Schuljahr.

DEUTSCHLANDS BESTE LESER

Auch im Lesen schnitt Bayern bundesweit am besten ab,

Bremen am schlechtesten. Der Abstand von 51 Punkten zwischen beiden Ländern entspricht mehr als einem

Schuljahr. Auch Baden-Württemberg und Sachsen liegen signifikant über dem OECD-Mittelwert von 494 Punkten. Finnland, im Lesen Pisa-Sieger, liegt mit 543 Punkten aber noch 25 Punkte über Bayern. Die meisten deutschen Länder bleiben unter dem OECD-Durchschnitt. In einem Spektrum von Ungarn bis Mexiko bewegen sich das Saarland, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Berlin, NRW, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen.

DEUTSCHLANDS BESTE NATURWISSENSCHAFTLER

Noch bei Pisa 2000 erreichte kein Bundesland in den Naturwissenschaften einen Mittelwert über dem OECD-Durchschnitt. Nun liegen Bayern (530 Punkte), Sachsen (522 Punkte) und Baden-Württemberg (513 Punkte) darüber. Der Abstand zwischen Bayern und dem Spitzenland Finnland beträgt nur 18 Punkte.

UND WO LIEGT BERLIN?

Berlin schneidet bei Pisa 2003 unter den Stadtstaaten

mit den meisten problematischen Schülern am besten ab. In den Naturwissenschaften liegt die Hauptstadt unter den Bundesländern an zehnter, im Lesen an elfter Stelle. Besonders gut sind Berlins Schüler in der Rubrik „Problemlösen“ , wo sie bundesweit auf den siebten Platz kommen.

In Mathematik liegt Berlin auf dem 13. Platz.

DIE „RISIKOGRUPPE“

In keinem westeuropäischen Staat gibt es mehr „Risikoschüler“ als in der Bundesrepublik. Schüler, die zur Risikogruppe gehören „werden erhebliche Probleme bei der

Berufsausbildung haben und an gesellschaftlichen Diskussionen nicht teilnehmen können“, hat Pisa-Chef Manfred Prenzel festgestellt. Der Bundesschnitt von 21, 6 Prozent liegt bereits deutlich höher als in anderen westeuropäischen Staaten. Doch zum Beispiel Bremen hat einen noch größeren Anteil von Schülern, die es in Mathematik nur auf die erste von sechs Pisa-Kompetenzstufen schaffen: 32 Prozent. Am kleinsten ist diese Gruppe mit 13 Prozent in Bayern. Unter den Schülern mit Migrationshintergrund ist der Anteil an Risikoschülern in allen Bundesländern am höchsten. 40 Prozent der bereits in Deutschland geborenen Schüler mit Migrationshintergrund erreichen die zweite von sechs Pisa-Kompetenzstufen nicht.

SOZIALE UNGERECHTIGKEITEN

Pisa hat massive soziale Ungerechtigkeiten beim Zugang zu Bildung in Deutschland offen gelegt. Bundesweit hat ein Kind aus einer bildungsnahen Familie eine vier Mal höhere Chance aufs Gymnasium zu kommen als ein Schüler mit gleicher kognitiver Kompetenz aber schwachem sozioökonomischen Hintergrund. In Bayern und Sachsen-Anhalt ist die Chance für Schüler aus bildungsnahen Familien sogar sechs mal höher. 61 Prozent der deutschen Gymnasiasten kommen aus dem Viertel der Gesellschaft, das ökonomisch, sozial und kulturell am stärksten ist. Aus dem

sozial schwächsten Viertel kommen nur acht Prozent der Gymnasiasten. akü

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