Zeitung Heute : Das Bio-Auto kommt auf Touren

Die Automobilhersteller sind sich allerdings noch nicht einig, auf welchen Antrieb sie in Zukunft setzen wollen

Reinhart Bünger

„Gib Gas, ich will Spaß“ – dieses Verlangen ist an den bundesweit rund 700 Erdgastankstellen nur vereinzelt zu hören. Der Absatz von Gas-Autos verläuft immer noch schleppend. Eine Trendwende ist nach Ansicht von Experten nicht in Sicht, zumal die Steuerbefreiungen der mit Gas betriebenen Autos früher oder später auslaufen. Ein ganz anderes Potenzial haben die neuen Hybrid-Fahrzeuge – die Autos, die mit einer Kombination von Benzin- und Elektromotor in Schwung gebracht werden.

Noch sind den meisten Pkw-Fahrern die Vorteile der Kraftstoff sparenden Hybrid-Technologie nicht geläufig. Laut einer Anfang Juni veröffentlichten repräsentativen Studie von tns infratest im Auftrag der Continental AG fahren von den 80 Prozent der Befragten, die davon schon einmal etwas gehört oder gelesen haben, nur ein Prozent eines der (noch) wenigen in Deutschland zugelassenen Hybrid-Autos. Die Übrigen nennen wirtschaftliche Gründe (73 Prozent) als Voraussetzung, ein solches Auto zu kaufen. Die Umweltfreundlichkeit wäre nur für jeden Neunten ein Argument. Und doch werden die Fahrzeuge immer umweltfreundlicher werden: Die mit steigenden Lebensstandards wachsende Nachfrage nach Mobilität in Ländern wie China und die sich erschöpfenden Rohstoffreserven führen automatisch zur Konstruktion neuer Fahrzeug-Generationen.

„Der Hybrid ist bereits über das Bastelstadium hinaus“, hat Carsten Bräuer, Niederlassungsleiter der Dekra in Berlin, beobachtet. Hinter der Hybridtechnologie steht eine Kombination aus regenerativem Bremsen und einer intelligenten Start-Stopp-Funktion – mit der bis zu einem Viertel des Kraftstoffes eingespart werden kann. „Andere Länder waren da eben schneller als wir“, sagt Anselm Lotz, Vorstandsmitglied der Berliner Kfz-Innung. Toyota bietet bereits Hybrid-Modelle auf Benzinbasis an. Eine weitere Variante: Peugeot arbeitet an einem Diesel-Hybrid. Dabei ist sich die Branche einig, dass diese Brückentechnik vielleicht nur ein Intermezzo ist. Schließlich werden auch Brennstoffzellen-Autos, die mit Wasserstoff fahren und Kombinationen aus Hybrid- und Wasserstoff-Antrieben, erprobt. Doch die Wasserstofftanks brauchen Platz. Und: sie sind ein sicherheitsrelevantes Bauteil. So oder so – die Alternativen zum reinen Diesel oder Benziner verheißen den Motoren längere Lebens- und Laufleistungen. Werden sie zudem direkt mit Rädern verbunden, kann auf Bauteile verzichtet werden. Der Trend zum Bio-Auto ist nicht nur an diesen Stellen zu beobachten: Bei der Entwicklung neuer Antriebe achten die Hersteller darauf, dass die Fahrzeuge unter Einsatz von Aluminium leichter werden. Sie verbrauchen also weniger Rohstoffe und können auch recycelt werden. Auf dieses können Autofahrer aber momentan noch nicht verzichten: die vertraute Geräuschkulisse beim Schalten und Beschleunigen. Sie kommt deshalb in Toyotas Hybriden vorsorglich aus der Konserve.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!