Zeitung Heute : Das Blaue am Himmel

Roland Knauer

Die Russen haben nichts dem Zufall überlassen: Zur Feier des 60. Jahrestags des Kriegsendes hat sich die Luftwaffe bemüht, die Wolken über Moskau zu vertreiben. Wie hat sie das gemacht?

Im Regen stehen lassen wollte Russlands Präsident Wladimir Putin seine Staatsgäste nicht – doch für die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des europäischen Endes des Zweiten Weltkriegs war für Moskau Schauerwetter angesagt. Nach einer Begrüßung unter Regenschirmen, riss jedoch prompt die Wolkendecke auf, lachte die Sonne mit den sichtlich gut gelaunten Ehrengästen um die Wette. Zufall?

Jedenfalls hat die russische Luftwaffe versucht nachzuhelfen. Zwölf Militärflugzeuge starteten vom Flughafen Tschkalowski, um bis zu tausend Tonnen Trockeneis in die Wolken zu sprühen. Trockeneis ist gefrorenes Kohlendioxidgas, das zum Beispiel in Diskotheken eingesetzt wird, um Nebelschwaden zu erzeugen. Dabei kondensiert die Luftfeuchtigkeit an winzigen Kohlendioxidkristallen zu kleinen Tröpfchen, die wir als Nebel sehen. Sprüht man das Trockeneis dagegen in eine Wolke, bilden sich zu den bereits vorhandenen Tröpfchen weitere, erklärt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Gibt es mehr kleine Tropfen, kollidieren und verschmelzen sie häufiger miteinander, bis die größeren Teilchen nicht mehr in der Luft schweben können und als Regen zu Boden fallen.

Nun streiten Meteorologen aber über die Zuverlässigkeit dieser seit einigen Jahren bekannten Regenmacher-Methode. Ob tatsächlich die Luftwaffe oder doch nur der Zufall bei den Feierlichkeiten Wettergott gespielt hat, ist daher selbst für die Beteiligten eine offene Frage. Es war ihnen aber auch egal: Hauptsache der Himmel war blau.

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