Zeitung Heute : Das Briefing für George W. Bush

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Im Frühjahr und Sommer 2001 stellten USGeheimdienste einen dramatischen Anstieg von Terrorwarnungen fest. George Tenet, von 1997 bis 2004 CIA-Direktor, sagte der 9/11-Kommission: „Das System blinkte rot.“ Die meisten Anschlagswarnungen bezogen sich auf US-Ziele im Ausland. Nur ein einziges Mal vor den Attacken, am 6. August 2001, erhielt Präsident Bush in seinem täglichen Sicherheitsbericht Hinweise auf Anschläge innerhalb der USA:

Bin Laden ist entschlossen in den Vereinigten Staaten zuzuschlagen.

Geheimberichte, Mitteilungen ausländischer Regierungen und Beiträge in der Presse deuten darauf hin, dass Bin Laden seit 1997 den Wunsch hatte, Terrorangriffe in den USA durchzuführen. In Interviews mit amerikanischen Fernsehanstalten deutete bin Laden 1997 und 1998 an, seine Anhänger würden (...) „den Kampf nach Amerika tragen“.

Nachdem amerikanische Raketen 1998 seine Basis in Afghanistan angegriffen hatten, teilte er seinen Anhängern mit, er werde in Washington Vergeltung üben. (...) Die Millennium-Verschwörung in Kanada im Jahre 1999 war möglicherweise ein Element von Bin Ladens erstem ernsthaftem Versuch, einen terroristischen Anschlag in den USA durchzuführen. (...) Al-Qaida-Mitglieder – darunter einige Bürger der Vereinigten Staaten – haben jahrelang in den USA gewohnt (...). Die Gruppe unterhält offensichtlich ein Netzwerk, das bei Angriffen Hilfestellung leisten kann. Zwei Al-Qaida-Mitglieder, die verurteilt worden sind, weil sie an der Sprengstoffverschwörung gegen unsere Botschaften in Ostafrika teilgenommen haben, waren US-Bürger, und Mitte der 90er Jahre lebte ein führendes Mitglied des Ägyptischen Islamischen Dschihad in Kalifornien.

Eine geheime Quelle hat 1998 berichtet, eine Zelle von Anhängern Bin Ladens rekrutiere in New York junge amerikanische Muslime für Angriffe.

Wir waren nicht in der Lage, einige der sensationelleren Berichte über Bedrohungen zu erhärten, so den eines

Dienstes im Jahre 1998, in dem es hieß, bin Laden wolle ein amerikanisches Flugzeug entführen, um die Freilassung des „blinden Scheichs“ Omar Abdel Rahman und anderer in den USA inhaftierter Extremisten zu erreichen.

Dennoch lassen FBI-Informationen seit dieser Zeit Muster von verdächtigen Aktivitäten in unserem Land erkennen, sie stehen im Einklang mit Vorbereitungen für Flugzeugentführungen und anderen Arten von Angriffen, darunter in letzter Zeit die Überwachung von Bundesgebäuden in New York.

Das FBI führt momentan etwa 70 umfassende Ermittlungen durch, hier handelt es sich um Fälle, bei denen es annimmt, sie hätten mit bin Laden zu tun. CIA und FBI beschäftigen sich mit einem Anruf, der in unserer Botschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten einging, darin hieß es, eine Gruppe von Anhängern bin Ladens befinde sich in den USA und plane Angriffe mit Sprengladungen.

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