Zeitung Heute : Das chemische Gefühl

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Die ersten Teile sind schon verpackt. Im März bekommt Jordanien eine Großanlage für Kernforschung geschenkt. Bisher stand sie in Berlin. Um Himmels willen, sagt Professor Brandt aus Marburg. Damit lassen sich Atomwaffen bauen. Aber keiner nimmt ihn richtig ernst. Von Kerstin Kohlenberg

Ein Drama über die Physik kann nicht den Inhalt der Physik zum Ziel haben, sondern nur ihre Auswirkungen. Eine solche Geschichte ist zwar grotesk, aber nicht absurd. Sie läuft dem Erwarteten, dem Geglaubten zuwider, ist aber nicht unsinnig. Sie ist paradox, genauso wie Wirklichkeit. (Friedrich Dürrenmatt)

Auftretende Personen:

Professor Reinhard Brandt, Kernchemiker

Besuch

Nebenrolle:

Professor Herwig Schopper, Physiker

Im Hintergrund:

Gerhard Schröder, Bundeskanzler

Johann Wolfgang von Goethe, Dichter

Der Ort: der braun geflieste Betonquader der Abteilung Kernchemie der Philipps-Universität Marburg. Er fügt sich lückenlos ein in die anderen, mit einem weißen Gestänge verzierten Quader der Physik, der Geologie und der anderen Naturwissenschaften. Ein riesiger Parkplatz vor dieser etwas heruntergekommenen Gesamtschulen- Architektur ermöglicht den An- und Abtransport der Forscher und Studenten. Von dem Städtchen Marburg ist nichts zu sehen, denn die Naturwissenschaften sind auf den bewaldeten Höhen des Lahntals untergebracht.

Reinhard Brandt hä lt dem Besuch die Tür zur Kernchemie auf. Er ist 69 Jahre alt, seit drei Jahren pensioniert, hat aber immer noch ein kleines Zimmer hier. Er schließt es auf, legt seinen langen blauen Lodenmantel und das Barett aus schwarzem Persianer-Fell ab, beides hängt er auf den Kleiderständer. Brandt ist groß, mit seinem dichten, weißen Haar sieht er ein bisschen aus wie ein Bruder von Loriot.

„Sie können sich da hinsetzen.“ Er weist dem Besuch den Stuhl hinter dem schweren Holzschreibtisch zu und zieht seinen weißen Wissenschaftlerkittel an. Hinten am Kragen sind mit Filzstift seine Initialen draufgeschrieben. R. B. schlägt den Kragen um und schließt die Knöpfe. Jetzt ist er Professor Dr. Reinhard Brandt i. R., im Ruhestand. Einer, der seit drei Jahren unaufhörlich Briefe schreibt, weil er denkt, die Wahrheit zu kennen. Diese verdammte Wahrheit über das Plutonium, die ihm einfach keiner glauben will.

„Heisenbergs Krieg“ steht im Bücherregal, „Hitlers Uranium-Club“, „Die Atom-Bombe“ und „Wie die Wissenschaft ihre Unschuld verlor“. Auf dem Schreibtisch steht neben Fotos von der Tochter und dem Sohn eine Art Briefbeschwerer: die drei Affen, die nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. An der Wand hängt ein blauer Davidstern aus Glas. Atombombe, Ignoranz, Israel, als hätte er es für den Besuch arrangiert, die drei Teile seiner Wahrheit.

„ Haben Sie schon gefrühstückt? Dann kommen Sie, ich lade Sie in die Mensa ein“, sagt Brandt und zieht seinen Kittel schon wieder aus, hält die Tür auf. Ein Trödler ist er nicht.

Bessy, das ist Brandts Wahrheit. Der Berliner Teilchenbeschleuniger Bessy I, der in Berlin-Wilmersdorf stand. Eine Forschungsanlage, die ein spezielles Licht herstellt, das Atome spaltet. Grundlagenforschung. Brandt glaubt aber, dass diese Anlage nicht nur friedlich, sondern auch militärisch nutzbar ist. Weil sie nämlich genügend waffenfähiges Plutonium für eine Atombombe erzeugen könnte. Allerdings auf so umständliche Weise, dass das nur für Terroristen und solche Länder interessant wäre, die auf legalem Weg nicht an diesen Stoff kommen. Der Plan der Bundesregierung ist es nun, die 20 Jahre alte Bessy I noch in diesem Jahr an Jordanien zu verschenken, denn Berlin hat mittlerweile Bessy II. Die ist neuer und moderner. An Bessy I sollen in Jordanien unter anderem Iraner, Palästinenser, Israelis, Armenier, Jordanier, Kuwaitis und Pakistani friedlich miteinander forschen. Und auch die Iraker haben großes Interesse. „Glauben Sie, dass Bessy dem Frieden dient?“, fragt Brandt. „Was haben Sie studiert?“

Ein Forscher gegen den Rest der Welt

Brandt betritt die Mensa. Ein paar Studenten klappern mit dem Besteck, andere liegen schlapp auf den Tischen und warten auf die nächste Vorlesung. Die Naturwissenschaften sind ein aussterbendes Fach, sagt Brandt. Früher war das mal ein großer Fachbereich. Er stellt einen Joghurt auf sein Tablett und einen Kaffee. „Was nehmen Sie? Ein Brötchen? Einen Joghurt? Sie können auch einen Kuchen haben. Was nehmen Sie?“ Er bezahlt mit der Mensa-Card, sucht einen Platz in der Nichtraucher-Abteilung. „Wir Deutschen sollten mal unsere Grütze verwenden und überlegen, ob das sinnvoll ist. Plutonium unter den Arsch der Israelis. Und ob man das nicht breit im Volk debattieren sollte. Im Nahen Osten muss man sich allerdings generell fragen, was Verträge wert sind. Und wir bringen Bessy dahin, ohne es kontrollieren zu können.“ Seine Stimme klingt, als käme sie direkt aus dem Kehlkopf, für den Umweg in den Bauch gibt er ihr keine Zeit mehr. Sie klingt deshalb irgendwie hoch, passt gar nicht zu seiner großen Erscheinung.

Brandt rührt in seinem Kaffee. Man guckt ihm ins Gesicht und wird das Gefühl einfach nicht los, dass da ein sehr schräger Mensch sitzt, der es seinem Gegenüber nicht leicht macht, aber so muss man wohl gebaut sein, wenn man sich mit dem Rest der Welt angelegt. Und dann kommt einem der Gedanke, dass man ihn vielleicht deshalb so seltsam findet, weil sein Protest irgendwie altmodisch ist. Dieses Briefeschreiben, der Aufstand, das Verbissene. Die Zeiten der grünen Umweltproteste sind vorbei. Und die Zeiten, in denen sich die Grünen mit einem wie Brandt verbündeten. Brandt scheint einfach aus der Zeit gefallen zu sein. Kritiker zu sein, Bedenkenträger, Warner – das konnten sich die Grünen leisten, als sie in der Opposition waren. Jetzt aber sind sie Entscheidungsträger, und da muss mit dem Fragen und Zweifeln auch irgendwann mal Ruh sein. Was soll man also halten von diesem Professor Brandt?

In Frankfurt hat er Chemie studiert. Und um die Frage zu beantworten, wie viel Plutonium entsteht, wenn ich Uran mit Elektronen bestrahle, hat er viel Zeit in Forschungsreaktoren und Teilchenbeschleunigern verbracht. Brandt war im Radiation Lab in Berkley, wo er 1963 promovierte, danach hat er fünf Jahre am europäischen Teilchenlabor Cern in Genf geforscht, 1968 wurde er Assistent in Marburg, er hat sich habilitiert, ist Dozent und dann Professor geworden. In den letzten Jahren hat er mit seinen Doktoranden in Dubna, Russland, in einem Teilchenbeschleuniger der Frage hinterherexperimentiert, wie man Plutonium, das haufenweise in Atomkraftwerken anfällt, zerstören kann. Seit seiner Pensionierung berät er die Dubna-Gruppe, manchmal auch die Europäische Union. Wissenschaftlich, kann man sagen, ein 1A-Lebenslauf.

1+1=3

Umstritten war seine Forschung allerdings schon immer. In Berk.ley hat er die Theorie aufgestellt, dass die Plutoniumentstehung nicht nach dem gängigen Schema abläuft, sondern nach der Formel 1+1=3. Dass also unter bestimmten Bedingungen mehr Plutonium entsteht als erwartet. Darüber hat er sich damals sogar mit seinem ziemlich berühmten Kollegen Glenn T. Seaborg zerstritten, der das Element Plutonium und noch viele andere entdeckt hat. Der warf ihm vor, er messe nur nicht genau genug. Seaborgs Todesanzeige hängt jetzt in Brandts Büro direkt über der Urkunde von „Who is Who in the World“ aus dem Jahre 1991/92. Das Jahr, in dem Brandt in die Liste der wichtigsten Menschen der Welt aufgenommen wurde. Dass seine 1+1=3-Theorie ziemlich unkonventionell ist, ja, ja, das weiß er, dennoch glaubt er, dass er da in die richtige Richtung gedacht hat. Letztens, sagt Brandt, habe er einen Kollegen getroffen, der ihm gesagt habe, sein ganzes Leben sei er immer im Recht und die anderen seien immer im Unrecht gewesen. „Sehen Sie, hab’ ich ihm geantwortet, so ist es mir auch immer gegangen.“

Im Moment hat vor allem Professor Herwig Schopper Unrecht. Der ehemalige deutsche Generaldirektor von Cern in Genf ist nämlich derjenige, der die Idee für das Bessy-Geschenk hatte. Er will nach dem Cerner Vorbild eine ähnliche internationale Forschungsanlage im Nahen Osten aufbauen. Eine Anlage, die allen Staaten der Gegend offen stehen soll. Denn zwischen Rabat und Teheran gibt es keinen modernen Kernforschungs-Großbeschleuniger. Seit November wird das Projekt von der Unesco unterstützt. Ende März sollen die ersten Teile nach Jordanien geflogen werden.

Gerade in Krisenregionen müsse man gemeinsame Forschungsprojekte unterstützen, sagt Herwig Schopper einige Tage nach dem Treffen mit Brandt in Marburg am Telefon. Und dass die Zusammenarbeit hervorragend laufe. „Hervorragend“ ist gut. Bei der letzten Sitzung im Dezember in Amman fehlten die Israelis. Sie waren nicht gekommen, die innenpolitische Lage hat das unmöglich gemacht, hieß es. Und bei einem Workshop zuvor wäre es beinahe zum Eklat gekommen, weil sich einige Delegierte darüber aufgeregt hatten, dass auf der Einladung das amerikanische Außenministerium als Sponsor genannt wurde.

Anruf bei Hagit Messer-Yaron, der Chefwissenschaftlerin des israelischen Wissenschaftsministeriums. Ja, die Situation sei im Moment sehr angespannt. Da sich Israel aber derzeit nicht im Krieg befinde, pflege man formale wissenschaftiche Kontakte zur arabischen Welt. Und sie sagt, die Sache mit dem Plutonium sei ihr neu.

Der Streit zwischen Brandt und Schopper dreht sich darum, wie viel Plutonium Bessy I herstellen kann. Schopper sagt, dass es verschwindend geringe Mengen sind. Brandt dagegen sagt, dass man 100 Gramm Plutonium pro Jahr herstellen kann, mit der richtigen Materialanordnung ohne Weiteres sogar mehrere Kilogramm. Die größte Gefahr ist aber, sagt Brandt, dass die Stromstärken dieser Forschungsanlagen ständig steigen und damit auch die Mengen an Plutonium, die man herstellen kann. Gleichzeitig aber sinkt die Plutoniummenge ständig, die man braucht, um eine Bombe zu bauen.

„Ich erkläre Ihnen das mal.“ Brandt stellt sein Tablett zurück, hält dem Besuch die Mensa-Türe auf und alle Türen, die sich zwischen Geologie und Chemie noch zwischen sie stellen. Vor seinem Räumchen angekommen, schließt er auf, zieht den weißen Kittel an, nimmt ein Stück Kreide und stellt sich an die Tafel. Die Formel für die Plutoniumentstehung, zum Aufwärmen. Brandt ist in seinem Element. Dann erklärt er, wie sich die Plutoniummenge bei steigender Stromstärke verändert. Brandt malt knarzend eine lange Gleichung an die grüne Wand. Genauso fangen auch seine Briefe an.

Aber versuchen wir einmal, Bessy und die Plutoniumfalle zu beschreiben. Bessy besteht aus drei Teilen. Aus einem etwa tischgroßen Vorbeschleuniger (einem so genannten Mikrotron), einem Synchrotron von etwa 100 Metern Umfang und einem riesigen Speicherring. Der Vorbeschleuniger bringt Elektronen in einer Kreisbewegung beinahe auf Lichtgeschwindigkeit und gibt sie dann an das Synchrotron ab. Das beschleunigt die Elektronen noch mal, um sie dann durch einen Kanal in den Speicherring zu schießen. Dort findet die eigentliche Forschungsarbeit statt. Der Strahl wird zu einem Lichtstrahl gebündelt, mit dem man Atome, Moleküle oder Kristalle durchleuchten und untersuchen kann.

Man kann die Anlage aber auch anders nutzen, indem man ein Material wie Uran direkt hinter das Synchrotron legt und es dort mit dem Elektronenstrahl gezielt beschießt. Die Wucht der Strahlung spaltet das Uran, und es entsteht Plutonium. Die Frage ist nur: wie viel Plutonium?

In der Physik gab es oft die Diskussion, ab wann sich die Forschung in ein Höllenwerk verwandelt. Dürrenmatt hat daraus ein Stück gemacht, „Die Physiker“. Dort retten sich die Wissenschaftler mit ihrem gefährlichen Wissen in die Irrenanstalt. Aber, schreibt Dürrenmatt, jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern. Brandt sieht sich als einer, der den Teufel früh genug erkannt hat. Seine Briefe an die Welt hat Brandt bislang an das Auswärtige Amt geschickt, an Gerhard Schröder, Greenpeace, das Wirtschaftsministerium, wieder an Gerhard Schröder, zuletzt an Forscher in Israel. Ohne Erfolg.

Um seine Berechnungen zu beweisen, müsste er einen Versuch an Bessy machen. Das ist aber nicht mehr möglich, denn Bessy liegt verpackt zum Abtransport bereit. Das ist Brandts Stichwort. „Ich wollte den Versuch machen, aber Professor Jaeschke, der Geschäftsführer von Bessy, ha!, der hat auf meine Anfrage nicht einmal reagiert. Ja, ja, die Physikerkaste hält zusammen, die wissen doch genau, wenn in Deutschland offen diskutiert würde, dann müssten die Grünen und die Roten das Projekt sofort verbieten. Oder was glauben Sie, wie viel Plutonium darf ein Araber mit Hilfe von Deutschland unter den Arsch eines Israelis legen?“ Hätte Brandt einen Propeller, er würde jetzt abheben.

Er ist ein Kauz, einer von aufrechter Gestalt, einer, der auf die Frage, ob er jüdisch sei, antwortet, „Nein, ich bin arisch, durch und durch. Mein Vater, meine Mutter, ich habe sogar eine arische Großmutter.“ Solche Fragen nach dem Motiv sind ihm zuwider, weil er seinen Kampf für so selbstverständlich wie richtig hält.

Reagiert haben auf Brandts Briefe nur die israelischen Forscher. Sie haben sich aufgeregt an das Auswärtige Amt gewandt, an den zuständigen Referatsleiter, Lothar Schulte. Und Herr Schulte, was ist passiert? „Wir haben sie relativ schnell beruhigt“, sagt der Mann am Telefon. Unsinn werde nicht dadurch besser, dass er ständig wiederholt werde. Er habe seinen Leuten daher gesagt, sie sollten Briefe von Brandt nicht mehr an ihn weiterleiten. Ein Test, wie ihn Brandt fordert, sei absolut überflüssig. Er, Schulte, sei zwar kein Physiker, sondern nur ein Verwaltungsmensch, aber solange ihm seine Forscher sagen, dass Bessy kein Plutonium erzeugen kann, brauche er keine Tests.

Brandt setzt sich auf einen kleinen Hocker vor den Computer. Der weiße Kittel schleift auf dem Boden. „Hier, die Unterlagen können Sie sich mal durchlesen. Ach ja, und den Brief an den Wirtschaftsminister Müller, den drucke ich Ihnen auch noch aus.“ Brandt schneidet von einem Papier den Kopf ab. „Da stehen Namen drauf, die sollen nicht in die Öffentlichkeit. Das kann ich hinterher einfach wieder ankleben.“

„Warum so verschwörerisch, Herr Brandt?“

„Ich halte mich zurück mit Leuten, die denken wie ich. Diese Leute brauchen noch Forschungsgelder; wenn sie mit mir zusammen genannt werden, kö nnte es nächstes Mal schwer werden. Das wäre auch kein guter Stil, wenn ein pensionierter Professor seine Doktoranden mit in die Schlacht schicken würde. Kopernikus und Galilei waren auch Einzelkämpfer, so ist das in der Wissenschaft. “

Und dann findet sich doch noch einer, der sagt, dass Brandts Forderung vernünftig ist. Wolfgang Liebert von Ianus, dem Institut für Friedensforschung und Rüstungskontrolle an der Technischen Universität Darmstadt. Er hält Brandts Berechnungen zwar für viel zu hoch, aber theoretisch, sagt er, gibt es die Möglichkeit mit dem Plutonium. Und dass die Anlage im Nahen Osten zweckentfremdet werden könnte, da habe Brandt im Prinzip auch Recht. Brandt sei zwar ein Außenseiter, aber oft kämen gerade von denen wichtige Hinweise. Und dass Brandt da den Finger in eine Wunde gelegt habe, daran sei kein Zweifel.

Das Manhattan-Projekt

Und dann erzählt Liebert von einem Vorfall, bei dem genau das schon mal passiert ist: dass Forschungsanlagen zu Militärzwecken missbraucht wurden. Und auch damals gab es einen wie Brandt, der gewarnt hat, aber man hat auch ihn damals ausgelacht. Es ging um so genannte Calutrons. Reine Forschungsanlagen in Kalifornien. Bis die Amerikaner sie für das Manhattan-Projekt, den Bau der Atombombe im Zweiten Weltkrieg, in einem viel größeren Maßstab produzierten, um Uran anzureichern. 40 Jahre später interessierten sich dann die Iraker in Cern für die kleinen Calutrons. Dem Brandt von damals, Andre Gsponer, kam das seltsam vor, aber keiner wollte ihm zuhören. Das sei doch nur eine Forschungsanlage. Nach dem Irak-Krieg haben UN-Inspektoren diese Anlagen dann im Irak gefunden. Die Iraker hatten sie so groß nachgebaut wie die Amerikaner im Manhattan-Projekt. Auch sie wollten Plutonium herstellen. Brandt sagt über Liebert nur: „vernünftiger Mann“. Dann schaltet er seinen Computer aus. Er braucht keine Sympathisanten, sondern politisch Verantwortliche.

Chemiker, sagt Brandt, das sind Menschen der Intuition. Für ihn sei, wie für Goethe, nicht nur die Vernunft wichtig, sondern auch das Glauben und das Fühlen. Man muss das „chemische Gefühl“ haben, um die richtigen Ideen zu haben.

Zeit zu gehen. Goethe steigt in seinen alten klapprigen VW, den alten silbernen Mercedes hat seine Frau. Er fährt den Besuch zum Bahnhof, vorbei an spitzen Dächern, Flachdächern und Dächern mit zwei kleinen Spitzen, die wie ein M aussehen. „Flachdächer sind ja schon eine blöde Erfindung, da kann das Wasser ja kaum ablaufen, aber diese M-Dächer, da steht das Wasser ja regelrecht auf dem Dach. Welches Superhirn sich das wohl ausgedacht hat?“ Erversteht einfach nicht, warum die Leute nicht zu Ende denken. Am Bahnhof setzt er den Besuch ab. Er verabschiedet sich wie am Ende seiner Briefe: „Auf Wiedersehen, Ihr Brandt.“

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