Zeitung Heute : Das Cyber-Püppchen präsentiert eine makellose Oberfläche (Fernsehkritik)

Hans Altona

www.zdf.de

. ZDF. Nun also hat auch das Zweite Deutsche Fernsehen die Möglichkeiten der virtuellen Welt entdeckt. Mit gebührendem Vorlauf, wie es sich für eine öffentlich-rechtliche Anstalt gehört. Zwei Jahre habe es gedauert, die virtuelle Moderatorin Cornelia zu entwickeln - beinahe hätte ich gesagt, ihr Leben einzuhauchen. Eine lange Zeit für eine technische Spielerei, die sich vor allem in einem Punkt von dem leibhaftigen Moderator Cherno Jobatey abhebt: Wo Jobatey offensichtlich seinen ganzen Ehrgeiz verwendet, seine Stimme in ungeahnte Fistelhöhen zu quetschen, entzückt Cyber-Mädchen Cornelia mit einer angenehm tief temperierten Stimme, die nicht künstlich klingt. So verwischen sich die Welten; das wirkliche Leben sieht furchtbar alt aus.

Das neue Magazin des ZDF richtet sich offenbar an jugendliche Internet-Novizen, die noch keine Ahnung haben, was da alles auf sie wartet. Die Mischung der Themen erinnert eher an das Sortiment eines Tante-Emma-Ladens, und folgerichtig beschäftigte sich auch ein Beitrag mit diesem Thema. Die Konzeption schwankt zwischen Jugendclub und Magazin für die ganze Familie. Die süße Cornelia ist nicht mehr als ein Alibi-Spielzeug, ein Cyber-Püppchen, das mit einer makellosen Oberfläche locken soll. Im wirklichen Leben, sagt die 19-jährige, bemühe sie sich, wie die virtuelle Cornelia auszusehen, der sie Figur und Gesicht gab. Das kann man verstehen: Die Chance, zweimal zu leben, bekommt in dieser Welt sonst nur James Bond.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar