Zeitung Heute : Das defekte Entspannungs-Gen

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Lange Zeit haben die Mediziner vermutet, dass Epilepsie durch ein defektes Gen ausgelöst wird. Jetzt hat eine deutsche Forschergruppe den Beweis erbracht. Armin Heils, Mediziner an der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn, und seine Kollegen fanden als weltweit Erste solch ein Gen. „Es ist vermutlich für etwa 15 Prozent aller Epilepsieerkrankungen verantwortlich“, sagt Armin Heils. Idiopathische generalisierte Epilepsien nennen die Fachleute diesen Typ der Erkrankung. Menschen, bei denen dieses Gen einen Schreibfehler trägt, erkranken nicht automatisch. Sie tragen jedoch ein weitaus größeres Risiko, eine Epilepsie zu entwickeln. Die in der Studie verwendeten Daten stammen zu einem Großteil aus Berlin, denn sie wurden von der Gruppe um Thomas Sander aus dem Bereich Epilepsiegenetik am Campus VirchowKlinikum der Charité gesammelt.

Wenn uns eine Erinnerung durchs Gehirn saust oder man sich mit dem Hammer auf den Daumen schlägt, wird der Reiz im Gehirn von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben. Damit die Nervenzellen jede Empfindung und Information weiterreichen können, müssen sie nach einer Informationsleitung erst wieder beruhigt werden. Das Gen, das die deutschen Forscher jetzt entdeckten, ist mitverantwortlich für diesen Prozess. Es enthält den Bauplan für einen Kanal, der in der Zellwand der Nervenzellen sitzt. Dieser Kanal ist an dieser Entspannung der Nervenzellen beteiligt. Funktioniert er nicht richtig, bleiben die Nervenzellen im Gehirn erregt. Und der Aufruhr einzelner Zellen greift auf das gesamte Gehirn über. Das ist dann ein epileptischer Anfall.

Aber obwohl die Forscher nun einen Auslöser für die Entstehung von Epilepsien kennen, hat das noch keine Auswirkungen auf die Behandlung. „Erst müssen wir alle molekularen Ursachen der Epilepsien kennen und die Zusammenhänge verstehen, bis man an die Entwicklung neuer Medikamente denken kann" , sagt Armin Heils. Er vermutet, dass weitere 14 Gene an der Entstehung von Epilepsien beteiligt sind.

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