Zeitung Heute : "Das Dschungelbuch": Moglis Welt

Susanna Nieder

Kennt ihr Mogli? Das ist ein kleiner Kerl mit schwarzen Haaren und gelenkigen Zehen. Er kann klettern wie ein Äffchen, hat nur einen Lendenschurz an (das ist eine Art Badehose aus einem Lappen, wie Tarzan sie auch trägt) und unterhält sich mit den Tieren im Dschungel, als seien sie seine Verwandten. Das sind sie auch fast. Denn Mogli wurde als Baby ausgesetzt und vom Panther Baghira bei einer Wolfsfamilie untergebracht, die ihn aufzog wie ein eigenes Kind.

Jetzt ist der Junge schon groß, und Baghira beschließt, ihn zu den Menschen zurückzubringen. Er hat nämlich gehört, dass der Tiger Shir Khan auf dem Weg in seine alten Jagdgründe ist, und der würde Mogli mit Vergnügen verspeisen. Aber der weise Panther hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mogli hat nämlich nicht die geringste Lust, den Dschungel zu verlassen. Und sein Freund Balu, der dicke Bär, will ihn auch nicht ziehen lassen.



"Das Dschungelbuch" von Walt Disney erzählt von Baghiras geduldigen Versuchen, das widerspenstige Menschenkind sicher in einem Dorf abzuliefern. Unterwegs treffen sie eine Elefantenkolonne unter dem Kommando des alten Oberelefanten Colonel Hathi, die Schlange Kaa, die Mogli hypnotisieren will, vier singende Geier und King Louie, den König der Affen, der mit seinen langen Armen unheimlich gut auf dem Boden trommeln kann. Und natürlich taucht Shir Khan irgendwann wirklich auf, und da wird es brenzlig.

"Das Dschungelbuch" ist das, was man einen Klassiker nennt. Das haben schon wir alten Knacker gesehen, als wir noch so jung waren wie ihr jetzt und hatten den größten Spaß dabei. Seit 33 Jahren kommt der Film alle paar Jahre wieder ins Kino, und jedes Mal sind Kinder und Erwachsene begeistert.

Dabei ist "Das Dschungelbuch" sogar noch viel älter, denn schon lange vor dem Zeichentrickfilm war es ein sehr beliebtes Jugendbuch. Geschrieben hat es ein Engländer namens Rudyard Kipling vor nicht weniger als 106 Jahren. Dieser Kipling verbrachte viele Jahre in Indien, wo er sich die Geschichte von Mogli und seinen Freunden ausdachte.

Einen ähnlichen Klassiker schrieb der Amerikaner Edgar Burroughs Rice, als er vor 88 Jahren Tarzan mitsamt seinem Lendenschurz erfand. "Tarzan" kennt auch jeder, und die Geschichte ist immer wieder verfilmt worden, zum letzten Mal erst im vergangenen Jahr. So ist das nämlich mit Klassikern: Sie werden nicht alt. Es ist immer noch spannend, Tom Sawyer und Huckleberry Finn (erfunden von Mark Twain vor 115 Jahren) bei ihrer Floßfahrt den Mississippi hinunter zu begleiten, sich mit Robinson Crusoe und dem Eingeborenen Freitag (erfunden von Daniel Defoe vor 181 Jahren) auf einer einsamen Insel einzurichten, mit Pippi Langstrumpf, Thomas und Annika (erfunden von Astrid Lindgren vor 56 Jahren) durch die Villa Kunterbunt zu toben und mit Emil und den Detektiven (erfunden von Erich Kästner vor 72 Jahren) Herrn Grundeis, den Dieb mit dem steifen Hut, zu jagen. Hauptsache, es ist was los. Denn eins haben diese Klassiker gemeinsam: Sie handeln von Abenteuern. So wie Harry Potter. Und deshalb wird der bestimmt auch mal ein Klassiker.

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