Zeitung Heute : Das eigene Zuhause ist erste Wahl

Experten erwarten steigende Mietpreise in Berlin – das Zinsniveau spricht noch für den Kauf von Wohnraum

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Die positive Entscheidung des Bundesgerichtshofes zum Ausbau des Flughafens Schönefeld eröffnet Berlin neue Chancen: Die deutsche Hauptstadt gehört zum Netz europäischer Metropolen, die immer enger zusammenrücken. Das Potenzial des neuen Verkehrsknotens gibt der Region zudem wirtschaftliche Impulse bis weit in die Zukunft. Damit wird Berlin auch für Zuwanderer noch attraktiver. Das belegen die jüngsten Zahlen der Bevölkerungsentwicklung. Gab es in den frühen neunziger Jahren eine Stadtflucht, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Viele ehemalige Berliner kehren aus dem Umland zurück und suchen wieder eine Mietwohnung oder eine Immobilie zum Kauf in Berlin. Aktuelle Studien gehen von einer ständig steigenden Zahl der Haushalte im Stadtgebiet aus. Die Tendenz zu Single-Haushalten verstärkt den Trend. Bis zum Jahr 2020 rechnet der Berliner Senat mit 120 000 neuen Privathaushalten. Der moderne Stadtmensch legt zudem Wert auf eine Wohnung mit möglichst viel Platz. Der gefühlte Raumbedarf des Einzelnen ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Es muss nicht immer City sein. Dank moderner Verkehrsanbindung sind Stadtkern und Außenbezirke einander näher gekommen. Viele der Randgebiete sind wirtschaftlich entwickelt. Der Ausbau der Infrastruktur hat sie attraktiv gemacht.

Den Immobilienmarkt in Berlin prägt die Suche nach der „besten“ Wohnung, die den jeweiligen Bedürfnissen entspricht. Die zweite Wahl wird nur selten akzeptiert, Umfeld und Konditionen müssen stimmen. Gute und hervorragende Wohnlagen sind deshalb fast komplett vermietet. Das Angebot in diesen Lagen wird immer knapper. Gleichzeitig stehen strukturschwache und unattraktive Wohnungsbestände zunehmend leer.

Neu gebaute Wohnungen in guten Lagen gibt es nur wenige. Und es kommen immer weniger pro Jahr hinzu, denn in der Stadt wird kaum noch gebaut. Im Jahr 2005 wurden nur rund 3 200 Wohnungen fertig gestellt, der Nettozuwachs fällt deutlich geringer aus. Der Bedarf ist indes auf lange Sicht wesentlich größer, weil der Bestand an Altbauten den modernen Ansprüchen immer weniger gerecht wird oder nach der Sanierung das Preisniveau von Neubauten erreicht. Die zunehmende Verknappung des Angebots an gutem Wohnraum lässt dauerhaft steigende Mieten erwarten. Diese Entwicklung zeichnet sich selbst in einigen Randlagen der Stadt ab. Bei Neuvermietungen bekommen Mieter das schon deutlich zu spüren. Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent in den letzten Jahren erfreuen zwar die Vermieter, sind aber für Mieter ärgerlich.

Das Renditepotenzial des Berliner Wohnungsmarkts haben auch kapitalkräftige Investoren für sich entdeckt. Ganze Wohnanlagen haben sie den städtischen Wohnungsbaugesellschaften abgekauft und spekulieren mittelfristig auf beträchtliche Gewinne beim Wiederverkauf. Da das finanzschwache Land Berlin noch einen großen Wohnungsbestand besitzt, werden weitere Verkäufe an private Investoren erwartet. Drohende Mieterhöhungen haben bei vielen Städtern den Wunsch nach der eigenen Immobilie verstärkt.

Der Zeitpunkt ist günstig: Der Markt in Berlin ist für Käufer trotz moderat steigender Preise ausgesprochen günstig. Zusammen mit den noch niedrigen, wenn auch anziehenden Finanzierungskosten bietet sich eine geradezu historische Chance – womöglich die letzte für einen längeren Zeitraum. Wer es sich leisten kann und ohnehin kaufen will, sollte jetzt zugreifen und eine Immobilie in der Stadt erwerben. Ganz gleich, ob es sich dabei um eine Immobilie als langfristige Kapitalanlage oder für den Eigenbedarf handelt.

Der Anleger zieht aus der Marktlage einen doppelten Nutzen. Einerseits ist eine Immobilie immer ein solider Wert. Andererseits wird sich das Preisniveau früher oder später vermutlich teureren deutschen und europäischen Städten annähern, die Preisunterschiede werden kleiner. Für den privaten Nutzer gilt: der Vergleich mit der Mietwohnung ist wichtig. Wie hoch ist die effektive finanzielle Belastung beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses? Diese Fragen zu stellen lohnt sich immer, jetzt aber ganz besonders.

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