Zeitung Heute : Das Ende der Privilegien

Der Tagesspiegel

Von Ralf Schönball

Es soll Schluss sein mit den Privilegien für die Bankgesellschaft-Manager. Unklar ist nur, wie schnell. Was die exklusiven Villen ihrer Vorstandsmitglieder betrifft, steckt die neue Führungsriege der Bankgesellschaft Berlin in der Klemme. Am liebsten würde sie die Topimmobilien im Südwesten der Stadt sofort verkaufen. Allerdings leben dort immer noch einige der für die Bankenpleite verantwortlichen Ex-Vorstände – zu besten Mietpreisen: ein Bruchteil dessen, was die Zinsen für Kauf und Ausbau der Villen Jahr für Jahr kosten. Wie lange die privilegierten Pleitiers noch billig schöner wohnen dürfen, ist ungewiss. Die ersten der drei Villen sind verkauft. Unter Preis fürchten Insider – und sagen schon voraus, dass nun wahrscheinlich die Bankvorstände selbst die Villen zum Schnäppchenpreis erhalten sollen.

Prominente Namen stehen auf der Mieter-Liste, die die Grundstü cksgesellschaft der Landesbank Berlin aufgestellt hat. Zum Beispiel der ehemalige Chef des Bankenkonzerns Wolfgang Rupf, aber auch andere Bank-Vorstände, wie etwa Heinz-Dieter Gottschalk von der Berlin-Hyp, Michael Graf Strasoldo und Christian Grün von der Weberbank. Auch geschasste, angeblich für den Milliarden-Steuerschaden durch den Bankenskandal verantwortliche Ex-Vorstände sind auf der Liste zu finden: Ulf-Wilhelm Decken, Thomas Kurze und Lothar Wackerbeck. Sie hatten die fristlose Kündigung von der Bank erhalten – direkt nach Hause in die Villa im Nobel-Wohnort Dahlem.

Mit Werten von knapp 31 Millionen Euro stehen die 19 luxuriösen Häuser in den Büchern der Bank. Und das Geldinstitut, das längst jeden Cent zwei mal umdrehen muss, will die Villen nun versilbern. Doch der Erlös wird weit niedriger liegen als die Summe, die die Banker einst investierten. Die schmucken Immobilien hatten sie zwar zu Marktpreisen erworben, sie anschließend jedoch auf Wunsch der Spitzenmanager aufwendig ausbauen lassen: 1,4 Millionen Euro kostete das im Fall von Weber-Bank-Vorstand Grün, weil der Golfspieler unter anderem eine Driving-Range für seinen 1300 Quadratmeter groß en Park wollte.

Die Kosten der Umbauten toppten bei den Bankenvorständen sogar den Einkaufspreis der Immobilien. Und nicht jede dieser „Sonderaustattungen“ ist jedermanns Geschmack. Die luxuriösen Accessoires könnten die Bank beim bevorstehenden Verkauf der Villen teuer zu stehen kommen. „Mit Einbauten verhält es sich wie mit der teuren Stereo-Anlage im Gebrauchtwagen“, sagt Dietrich Ribbert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstü ckswerte . „Die bezahlt einem niemand extra.“ Mit dieser bitteren Wahrheit scheint sich die Bank allerdings abgefunden zu haben. Angeblich hat sie zwischen 30 bis 50 Prozent des Immobilien-Einkaufspreises einschließlich der Baukosten schon in den Wind geschrieben.

Aus Bankenkreisen allerdings ist zu hören, die teuren Villen sollten zwar „mittelfristig auf den Markt kommen“, aber nicht um jeden Preis. Zudem soll der neue Vorstandschef der Bank, Hans-Jörg Vetter, die Devise ausgegeben haben: Kein amtierender oder geschasster Vorstand soll die Villen kaufen dürfen. Einstweilen können die Banker weiter billig wohnen. Weber-Bank-Chef Grün zum Beispiel zahlt rund 55 000 Euro jährlich für sein Haus in der Schützallee. Der Steuerzahler legt rund 80 000 Euro jährlich für Zinsen oben drauf.

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