DAS FERNSEHEN : Immer und überall – am besten als Hologramm

Thomas Magedanz
Thomas Magedanz ist überzeugt: Alles kommt ins Fernsehen – und Fernsehen überall hin.
Thomas Magedanz ist überzeugt: Alles kommt ins Fernsehen – und Fernsehen überall hin.Foto: Ulrich Dahl

Internet und Computertechnik beeinflussen alle Bereiche unseres täglichen Lebens, so auch den des geliebten Fernsehens. Längst haben sich Nutzungsverhalten und Nutzungsformat unseres TV-Konsums verändert. Dank neuer Kommunikationsnetze und Informationstechnologien ist Fernsehen heute an fast jedem Ort, zu jeder Zeit und in beliebiger Form möglich. Immer seltener geht es dabei ums Live-Fernsehen. Durch die Möglichkeit digitaler Konservierung auf eigenen Medien-Servern oder neuerdings in einer Cloud greifen wir auf multimediale Inhalte zu, die wir auf Smartphones, Tablets oder PCs nutzen können.

Video-on-demand, Internet-Mediatheken und das Angebot von Youtube und Co. individualisieren das Fernseherlebnis. Dank Integration von internetbasierten Kommunikationsdiensten wie Chat oder Videotelefonie muss das gemeinsame Fernseherlebnis dabei aber nicht aus unserem Alltag verschwinden.

Das Schlüsselwort für das Fernsehen der Zukunft heißt Konvergenz, das heißt die Vereinheitlichung unterschiedlicher Übertragungsnetze durch den Einsatz des Internet-Protokolls. International führend bei der Entwicklung dafür notwendiger „Experimentalumgebungen“, die die Bereitstellung innovativer Multimediadienste über feste und mobile Netze vereinheitlichen, ist die TU Berlin und das Fraunhofer Institut FOKUS. Dort werden seit Jahren interaktive Multimediadienst-Prototypen für internationale Netzbetreiber und Hersteller entwickelt.

Das Empfangsgerät des Fernsehens der Zukunft wird ein mobiles Internetgerät sein, welches drahtlos Inhalte auf einen 3-D- oder gar hologrammfähigen Bildschirm überträgt und bei einem Zimmerwechsel sofort andere Ausgabegeräte anspricht oder zur Not den eigenen Bildschirm nutzt. Dank Internet können dabei weitere Informationen zu einer Sendung, zum Beispiel über das Auto der Hauptfigur, am berührungsempfindlichen TV-Bildschirm oder auf Mobilgeräten abgerufen und in Foren interaktiv darüber diskutiert werden.

Individualisierte Werbeangebote gemäß dem Nutzerprofil sowie das Eingreifen des Zuschauers in den Ablauf von Filmen werden ebenfalls bald möglich sein.

Auf dem Weg zu dieser interaktiven „Medien“-Welt müssen aber noch einige technische Hürden übersprungen werden, etwa die Optimierung der Infrastrukturen, um entsprechende Datenmengen zu übertragen. Andererseits muss natürlich auch erst ein reichhaltiges Angebot attraktiver Inhalte durch die Dienste- und Medienanbieter produziert werden.

Interaktives Fernsehen der Zukunft verdeutlicht sehr gut die fortschreitende Vernetzung der Dinge unseres Alltags mit dem Internet. Konvergenz ist dabei aber nicht nur Treiber für Innovationen, sie verändert auch Wertschöpfungsketten und Infrastrukturen. Ähnlich wie in der Telekommunikationsbranche, in der Festnetz, Mobilfunk und Internet zusammengewachsen sind, werden auch hier die Marktakteure den Wandel nur langsam vollziehen. Aufzuhalten ist er aber nicht.

Der Autor ist Professor am Institut für Telekommunikationssysteme der TU Berlin, Fachgebiet Architekturen der Vermittlungsknoten, und leitet das Kompetenzzentrum Next Generation Network Infrastructures am Fraunhofer Institut FOKUS.

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