Zeitung Heute : Das fliegende Klassenzimmer

So fern, so nah: Die Klasse des Künstlers Gregor Schneider transportiert Räume durch die Welt

Janelle Dumalaon

„Mein Ziel ist es, Räume durch die Welt zu transportieren“, sagt Professor Gregor Schneider. Das Projekt, das der mehrfach preisgekrönte Künstler – zuletzt erhielt er Ende Juni den mit 25 000 Euro dotierten Günther-Peill-Preis – mit seiner Klasse an der Universität der Künste Berlin verfolgt, heißt „Fliegendes Klassenzimmer“: Das Lernen soll an verschiedenen Orten und auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden.

Konkret sieht das zum Beispiel so aus: Im Klassenatelier wird eine Videowand aufgebaut, die gleichzeitig in ausgewählten Ausstellungsräumen und Museen überall auf der Welt zu sehen ist. „Mit der Hilfe von Livestream werden Bilder, die die gegenwärtige Kunstproduktion in unserem Atelier zeigen, zeitgleich an einen anderen Ort übertragen“, erklärt Schneider. „Die Besucher der Museen oder öffentlichen Räume können so unsere Arbeiten sehen, während wir zeitgleich das Geschehen dort per Übertragung miterleben.“ Ein Partner ist zum Beispiel die Kunstuniversität Tasmanien, ebenso sind Ausstellungsräume in Israel und Bahrain mit einbezogen.

Fliegendes Klassenzimmer, das heißt auch: Die Klasse Schneider stellt ihre Werke regelmäßig außerhalb Berlins aus, und Professoren-Austausch mit Kunsthochschulen im In- und Ausland ist häufig. An der UdK Berlin selbst stehen der Klasse ein Labor, eine Werkstatt und der so genannte Museumsraum zur Verfügung. Die Klasse besteht überwiegend aus Kunststudierenden, die sich dafür interessieren, verschiedene Aspekte des Raumes zu beleuchten. Sandra Gomez (27) arbeitet gerade an einem etwa 80 cm großen Modell. „Ich möchte Räume modellieren, die in Gedanken begehbar sind“, erklärt sie.

„Wir haben hier in der Klasse eine interessante Mischung aus talentierten Menschen“, meint Lola Göller (25). Sie selbst geht an das Thema Raum anders heran: Lola findet den Bezug zwischen Objekten und Räumen spannend. ,,Für unsere Klassenausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven habe ich auf de m Boden Glasscherben angehäuft und mit Hilfe einer Lichtquelle die Reflektion der Glasscherben an die Wände projiziert.“

David Kroell (25) beschäftigt sich damit, Veränderungen im Raum so unsichtbar wie möglich zu gestalten, damit keiner sie sieht, sondern nur spürt. Als Beispiel führt er an: „Ich platziere Fenster an ungewöhnlichen Orten. Sie sind dann kaum wahrnehmbar. Das wirkt sich auf die Besucher aus. Ich möchte unerwartete Momente hervorrufen."

Allerdings geht es bei der Arbeit der Klasse Schneider nicht nur darum, eigene Werke zu gestalten, sondern auch um Zusammenarbeit. „Kooperation ist eine Voraussetzung für große Projekte“, sagt Sandra. „Sie verlangen viel Zeit und Kraft. Für unsere Klassenausstellung in Bremerhaven mussten wir komplette Räume bewegen und umbauen.“

Das verbindende Element für die Klasse ist Gregor Schneider selbst: Er sei immer präsent und enthusiastisch, erzählen die Studenten. „Er führt ständig mit uns Arbeitsgespräche, deren Ziel ist, unsere Absichten bei jedem Projekt so klar wie möglich herauszubekommen, damit sie in den fertigen Arbeiten klar zum Ausdruck kommen“, sagt David.

Gregor Schneider bringt seine Erfahrung als Lehrer an Kunsthochschulen in Los Angeles, Kopenhagen, Hamburg, und Amsterdam ein. Aber wohin auch immer das fliegende Klassenzimmer reist, immer muss die Kunst und das Kunstmachen im Vordergrund stehen.

Während des Rundgangs zeigt die Klasse Arbeiten in der Hardenbergstraße 33, Räume 90, 94 und 95a. http://klasse.gregor-schneider.de/

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