Zeitung Heute : Das Frankfurter Blatt soll sich eine "Münchner Allgemeine Zeitung" überlegen

Matthias Hochstätter

Die "Zeitung für Deutschland" macht sich breit im Land. Seit Herbst erscheint die "FAZ" in Berlin mit einer Hauptstadt-Beilage. Nach Berlin will das Blatt aus Frankfurt am Main nun auch die Münchner Karte spielen. Um begrenzte Druckkapazitäten für das Bayern-Land muss sich die "FAZ" keine Sorgen machen. In Maisach, vor den Toren Münchens, werkelt der Frankfurter Societätsverlag derzeit an einer neuen Druckerei. Vom 1. Januar 2001 an wird dann hier gemeinsam mit der "Münchner Abendzeitung" (AZ) für die Münchner Leser gedruckt. Dafür hat das Boulevard-Blatt den seit 50 Jahren bestehenden Vertrag mit dem Süddeutschen Verlag im Herbst 1998 gekündigt. Sven Schmidhuber, Prokurist der AZ-Geschäftsführung, ließ auch schon zwei nagelneue Druckmaschinen für den künftigen Standort Maisach ordern. Nachdem das defizitäre "FAZ-Magazin" in einer Blitzaktion ausgemustert wurde, müsste nun wieder Geld für einen Coup in der Kasse sein.

Über den Marktauftritt der "FAZ" in München hüllen sich die Frankfurter noch in tiefes Schweigen: Man habe dafür noch keine Sprachregelung gefunden, erklärt Anzeigenchef Wolf-Dietrich Auerbach. Auch "FAZ"-Geschäftsführer Jochen Becker will sich "an solchen Gerüchten überhaupt nicht beteiligen". Becker: "Erst mal bauen wir eine Druckerei, um in München aktuell zu sein." Was dann 2001 passiert, könne Becker heute noch nicht sagen.

Wahl-Münchner und "Focus"-Chef Helmut Markwort träumt derweil von einer "Münchner Allgemeinen Zeitung" und wünscht sich die Alternative zu der ihm verhassten links-liberalen "Süddeutschen Zeitung" sehnlichst herbei. "Innerhalb der FAZ wird darüber gesprochen, in Süddeutschland in den direkten Wettbewerb zu gehen", weiß Markwort. Im Gegensatz zu den Berliner (Kultur-)Seiten soll es in München einen aktuellen Bayern-Teil geben. "FAZ"-Chef Becker zeigt sich erstaunt: "Fakten, Fakten, Fakten sind das aber nicht." Vertriebs-Probleme bräuchte die FAZ nicht zu fürchten, denn wer mit der AZ einen Druckpartner gefunden hat, wird auch bei der Verbreitung nicht lange allein bleiben. Allerdings wird es für einen Newcomer schwierig, auf dem festgezurrten regionalen Anzeigenmarkt noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Die Lokalredaktion der SZ würde sich auf alle Fälle freuen: "Endlich Konkurrenz!".

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