Zeitung Heute : „Das Ganze ist kein Rambo-Film“

Warum General Schwarzkopf gegen einen Militärschlag ist

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US-General Norman Schwarzkopf war der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte im Golfkrieg 1991 gegen den Irak. In seiner Autobiographie „Man muss kein Held sein“, die ein Jahr später erschien, begründete er ausführlich, warum seine Soldaten damals nicht nach Bagdad marschierten. Bundesaußenminister Joschka Fischer nutzt nach eigenen Angaben die Argumente des populären Generals gerne, um amerikanischen Gesprächspartnern die Bedenken der deutschen Seite gegen einen Irak-Feldzug nahe zu bringen. Schwarzkopf schreibt:

„Es muss deutlich gesagt werden, dass man zu keiner Zeit daran gedacht hat, bis nach Bagdad vorzustoßen. Obwohl alle die so genannten Experten im Nachhinein diese Entscheidung kritisierten, gab es bei Kriegsende kein einziges Staatsoberhaupt, keinen Diplomaten, keinen Nahostexperten und auch keinen Kommandeur, der eine Fortsetzung des Krieges und die Einnahme von Bagdad empfohlen hat. (…)

Ich bin überzeugt, wenn beschlossen worden wäre, den ganzen Irak zu besetzen und Bagdad einzunehmen, wäre die Koalition, für deren Zustandekommen wir so hart gearbeitet haben, zerbrochen. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass die einzigen Streitkräfte, die sich an einem solchen militärischen Vorgehen beteiligt hätten, britische und amerikanische gewesen wären. Selbst die Franzosen hätten in einem solchen Fall die Koalition verlassen.

Hätten sich die Vereinigten Staaten und Großbritannien entschlossen, Bagdad gemäß der Genfer und Haager Konvention zu besetzen, hätte man uns als Besatzungsmächte angesehen, und wir hätten daher alle Kosten tragen müssen, die eine Wiedereinsetzung einer irakischen Regierung und andere Dienstleistungen für die Bevölkerung des Irak verursachen. (…)

Schließlich wird es im Gegensatz zu dem, was wir in ,Rambo’-Filmen sehen, nicht einfach sein, eines Mannes wie Saddam habhaft zu werden und ihn vor Gericht zu stellen. In Panama, einem kleinen Land, wo schon vor Beginn militärischer Operationen Tausende von Amerikanern die Vorgänge beobachteten, konnten wir lange Zeit einen Burschen mit n Noriega nicht finden. Ich glaube kaum, dass wir, auch bei der Besetzung des ganzen Irak, Saddam in dem riesigen Militärlager gefunden hätten, das dieses Land darstellt.“ Tsp

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