Zeitung Heute : Das geht in Rauch auf

Dagmar Dehmer

In Washington beginnt der große Prozess gegen Philip Morris und sieben andere Tabakkonzerne. Was kostet Rauchen die Weltgemeinschaft?

Jeden Tag werden weltweit mehr als 15 Milliarden Zigaretten geraucht. Die meisten davon in China, denn dort werden jährlich 1,6 Billionen inhaliert, gefolgt von den USA mit 451 Milliarden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in einem Tabakatlas zusammengetragen, was das die Welt kostet. Ganz einfach ist die Rechnung nicht. Deshalb ist die WHO damit gescheitert, sämtliche Kosten zusammenzurechnen. Aber sie hat eindrucksvolle Zahlen zusammengetragen.

So haben die USA im Jahr 1999 sechs Prozent ihrer gesamten Ausgaben im Gesundheitswesen für Krankheiten aufgewendet, die durch das Rauchen bedingt waren. Raucher fehlten in den USA im Jahr 2001 im Durchschnitt 6,16 Tage an ihrem Arbeitsplatz, Nichtraucher nur 3,86 Tage. Die Gesamtkosten für die amerikanische Wirtschaft beziffert die WHO mit jährlich 76 Milliarden Dollar. Für Deutschland kommt die WHO auf jährliche wirtschaftliche Kosten von 14,7 Milliarden Dollar. Allein die weltweiten Kosten der Folgen von Feuern, die durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen ausgelöst wurden, betrugen im Jahr 2000 stolze 27 Milliarden US-Dollar. 300000 Menschen starben durch solche Brände.

Tabakgenuss kostet aber nicht nur die Gesellschaft viel Geld. Zigaretten sind auch für die Raucher selbst sehr teuer. Für den Preis einer Schachtel Markenzigaretten könnte ein Chinese beispielsweise vier paar Socken kaufen, oder ein Einwohner von Papua-Neuguinea ein Dutzend Kokosnüsse. In Bangladesch sind für den Preis einer Packung Zigaretten sechs Kilogramm Reis zu haben. Ein Einwohner Nairobis muss für eine Packung Markenzigaretten 158 Minuten arbeiten, in Bombay sind es immerhin noch 102 Minuten.

Tabak ist aber nicht nur teuer, sondern in vielen Fällen auch tödlich. Im Jahr 2000 sind nach Angaben der WHO 4,2 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums vorzeitig gestorben. Davon waren 3,4 Millionen Männer und 0,8 Millionen Frauen.

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