Zeitung Heute : Das Geld fließt

Hilfsorganisationen zahlen schon jetzt Soforthilfe an Opfer aus

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Von Ruth Ciesinger

Die Bereitschaft für die Flutopfer zu spenden ist enorm, die Hilfsorganisationen sind geradezu begeistert. Allein über die Spendenhotline der ARD-Gala vom vergangenen Freitag kamen bis Montagmittag mehr als 21,5 Millionen Euro zusammen. Bis dieses Geld direkt eingesetzt wird, vergehen nach dem Anruf aber noch bis zu zwei Wochen.

Denn die Rundfunkanstalt ist das Flaggschiff, mit dem die Spender angeworben werden. Diese sagen dann einem der rund 1200 Mitarbeiter des Call-Centers, an welche der drei großen Hilfsorganisationen – Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Diakonie oder Caritas – sie ihre Spende überweisen wollen. Bis die Lastschrift eingezogen wird, dauert es etwas. Die rund zwei Millionen, die bisher direkt an das Rote Kreuz gespendet worden sind, hat die Organisation in den Katastrophengebieten bereits wieder ausgegeben.

Neben Notunterkünften und Suppenküchen zahlen die Helfer seit Freitag Soforthilfen von bis zu 1000 Euro aus. Ähnlich wie bei der Caritas, die bis zu 500 Euro direkt an Flutopfer gibt, müssen sich die Leute bei der Organisation vor Ort registrieren und prüfen lassen, wie schwer sie die Katastrophe getroffen hat. Da viele auf weit größere Finanzhilfen angewiesen sind, können sie gleichzeitig einen „Projektantrag“ ausfüllen, in dem sie ihre Schäden an Haus oder Wohnung auflisten, sagt Lübbo Roewer vom DRK. Landratsämter und Hilfsorganisationen wollen dann zusammen koordinieren, mit wie viel Geld welcher Fall zu unterstützen ist. Dadurch soll verhindert werden, dass einzelne doppelte Hilfe beantragen können – wie wohl nach der Oderflut geschehen.

Entgegen dem Gerücht, die Organisationen selbst würden bis zu einem Viertel der Spenden als „Verwaltungsaufwand“ einbehalten, spricht die Diakonie, bei der etwa 1,5 Millionen an Spenden eingegangen sind, von fünf Prozent Verwaltungskosten. Das DRK will maximal zehn Prozent der Spenden abrechnen. Handelt es sich doch mit rund 8000 Helfern um den größten Einsatz der Organisation seit vierzig Jahren, der sie bereits etwa vier Millionen Euro gekostet hat, erklärt Roewer.

Und dass das Geld dort ankommt, wo es hin soll – nun, dafür sind die Spenden zweckgebunden, gibt es Wirtschaftsprüfer und eine interessierte Öffentlichkeit, sagt Matthias Schüth von der Caritas.

In jedem Fall ist einer, der Hilfe braucht, bei den Vertretungen vor Ort an der besten Adresse. Ruft ein Flutopfer – wie schon geschehen – bei der ARD-Hotline an, können überforderte Mitarbeiter des Call-Centers durchaus irreführende Auskünfte geben. Aus nachvollziehbaren Gründen, findet man bei der Rundfunkanstalt. Denn wegen der großen Zahl von Anrufen müssen weitere Call-Center einspringen – sogar ein großes Versandhaus ist darunter.

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