Zeitung Heute : Das Geld folgt den Kreativen

Iris Alanyali

Die Filmbranche ist eine Traumfabrik, und das ist ihr Problem: Wer seine Träume verwirklichen will, benötigt Geld, Banken aber finanzieren lieber Fabriken; für die Träume ist der Staat in Form der Filmförderung zuständig. Diese unterstützt meist einzelne, kurzfristige Projekte, und diese ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Rendite. Dass das auf Dauer weder finanzierbar noch sinnvoll ist, davon zeugen nicht zuletzt die Haushaltskassen, deren gähnende Leere auch Auswirkungen auf die Filmförderung hat.

"Neue Wege der öffentlichen Medienfinanzierung" mussten gesucht werden und waren am Mittwoch das Thema einer Podiumsdiskussion auf dem Internationalen Medienforum, an dem Brandenburgs Finanzministerin Wilma Simon, Berlins Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner, Bernd-Peter Morgenroth vom Vorstand der Landesbank Berlin und Klaus-Dieter Licht, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Brandenburgs teilnahmen. Die landeseigenen Investitionsbanken von Berlin und Brandenburg halten jeweils 50 Prozent an der Filmboard GmbH, der gemeinsamen Filmförderung der Länder. Alle waren sich einig: Die klassischen Zuschussinstrumente der Filmförderung haben keine Zukunft, die Länder müssen am Gewinn beteiligt, das Risiko muss gestreut werden. Daher wurde vor rund einem Jahr zum Beispiel das partiarische Darlehen ins Leben gerufen, eine Mischung aus Darlehen und Gewinnbeteiligung, bei dem die Investitionsbank allerdings in dem Maße auf die Beteiligung an möglichen Erträgen verzichtet, in dem das unterstützte Unternehmen seine Produktion auf die Region Berlin bzw. Brandenburg konzentriert. Damit will man dem Fördertourismus gegensteuern.

Die partiarischen Darlehen werden zudem vorrangig als sogenannte Portfolio-Finanzierung vergeben, das heißt, man unterstützt mehrere Projekte eines Produzenten wie der Ufa, der NdF (mit jeweils 100 Millionen Mark) oder Babelsberg Independents (15 Millionen Mark). Auch damit soll das Risiko gestreut werden, das aus Träumen Schäume macht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die zunehmende Konzentration auf zukunftsorientierte Investitionsförderung anstelle der Finanzierung kurzfristiger Projekte. Doch Geld ist nicht alles: "Mit kreativen Menschen kommt das Geld von ganz allein", spitzte Bernd-Peter Morgenroth die Auffassung aller Teilnehmer zu, dass Berlin mit seinem Pfund als "trendy city" wuchern muss. Und Branoner erzählte von Firmen, die mit der Aussicht auf viel Geld woanders hingelockt werden, dort aber ohne Personal dastünden, weil ihre Mitarbeiter lieber nach Berlin ziehen bzw. dort bleiben wollen. Fazit: Es sind die Menschen, die die Träume haben. Sie gilt es, so bequem wie möglich zu betten, aber nicht immer ist das teuerste Bett auch das beste.

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