Zeitung Heute : Das gewachsene Paradies

Gartendesign ist eine Kunst: Gabriella Pape sagt, wie’s geht

Katja Gartz

Geht es nach Gabriella Pape, ist jeder Grundstücksbesitzer in der Lage, sein Fleckchen Grün in ein kleines Paradies zu verwandeln. Vorausgesetzt, er weiß seinen Garten zu würdigen. Dessen Wertschätzung und das Wissen rund ums Gärtnern sind laut Pape in Deutschland in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen. So sei das eigene Stück Natur häufig eher ein Prestigeobjekt oder ein langweiliges von Nadelbäumen umrandetes Stück Rasen.

Gabriella Pape will das ändern und weitergeben, dass Gestaltung, Staudenbeete, richtiger Baum- und Rosenschnitt sowie Düngung und Pflege einen Garten zum persönlichen Lieblingsort machen. Dazu hat sich die international renommierte Gartenexpertin einen historischen Ort ausgesucht, der kaum passender sein könnte. Gegenüber dem Botanischen Garten in Dahlem, dort, wo vor rund 100 Jahren in der Königlichen Gartenlehranstalt von Peter Joseph Lenné zahlreiche Gärtner weitergebildet wurden, eröffnete Pape vor knapp einem Jahr die Königliche Gartenakademie. „Mein Ziel ist es, die Gartenkultur in Deutschland wiederzubeleben“, sagt die 45-Jährige.

Mit Krediten ausländischer Banken, Unterstützung von Freunden und Bekannten investierte sie Millionen, kaufte das rund 9000 Quadratmeter große Gelände und ließ die zehn Gewächshausflügel aus dem Jahr 1907 restaurieren. Zum Konzept gehört, dass Besucher hier nicht nur viel über Gärten lernen sollen, sondern Pflanzen und Gartenzubehör, Gartenmöbel und Accessoires auch gleich kaufen können. Für das leibliche Wohl sorgt das Café Lenné.

Damit der Traumgarten für jeden bezahlbar ist, bietet Gabriella Pape Gestaltung und Beratung für „einen Euro pro Quadratmeter“ an. Interessierte Laien erhalten einen Garten- und Zeitplan sowie eine 3D-Skizze, die veranschaulicht, wie das Ergebnis aussieht. Allerdings ist dabei Mitarbeit gefragt. So sollten alle Interessenten wissen, wie ihre Wünsche aussehen, wofür sie den Garten nutzen und wie viel Zeit sie dafür haben.

Die Geschäftsführerin der Gartenakademie freut sich über die große Nachfrage, weil informierte Gartenbesitzer bewusster mit der Natur umgehen. Wissensdurstige können außerdem einen der zahlreichen Kurse zu Bepflanzung, Gestaltung und Gartenkunst von Gabriella Pape, der Gartenhistorikerin Isabelle van Groeningen und anderen Fachleuten besuchen. Dabei wird auch an die Balkonbesitzer gedacht. Der Schaugarten auf dem Gelände wird je nach Saison bepflanzt und dient der Inspiration der Gäste. Gartenreisen nach England gehören seit diesem Jahr ebenfalls zum Programm. Nach knapp einem Jahr zieht Pape eine positive Bilanz: Statt der vermuteten 60 Besucher pro Tag kommen 350, die Kurse sind inzwischen doppelt so gut besucht wie am Anfang. „Unsere Branche boomt.“

Sie klingt dabei sehr zuversichtlich. Einen Grund dafür sieht sie im wachsenden Interesse an Entschleunigung und sinnvoller Betätigung. „Die Menschen kehren zu sich zurück, entdecken eine neue Art von Individualismus.“ Zuzusehen, wie Pflanzen wachsen, Blumen anfangen zu blühen oder Bäume und Sträucher erste Früchte tragen, schaffe eine große Befriedigung. Für Pape ist Gärtnern ähnlich wie Kochen. Jeder bekomme zurück, was er investiert.

Seit ihrer Kindheit ist Unkraut jäten eine von Papes Lieblingstätigkeiten. Gärten zu gestalten wurde ihre große Leidenschaft. Ihre Pläne hat sie in zahlreichen Gärten im In- und Ausland umgesetzt. Sie machte eine Gärtnerlehre in Hamburg, in England studierte sie Gartenbau und Landschaftsarchitektur und eröffnete gemeinsam mit Isabelle van Groeningen das Büro „Land Art“ für Garten- und Landschaftsarchitektur in der Nähe von Oxford.

Nach vielen Preisen für Gartendesign konnte Gabriella Pape vor zwei Jahren sogar die Queen und Prinz Charles auf der Chelsea Flower Show mit ihren Gartenkünsten begeistern. Sie gewann die Silbergiltmedaille, die als Oscar der Gartenszene gilt. Umgeben von englischer Gartentradition- und Gartenkultur entstand vor vier Jahren – als sie mit einem gebrochenen Fuß viel Zeit auf dem heimischen Sofa verbringen musste – ihre Vision, die Gartenkultur in Deutschland wieder lebendig zu machen.

Um mehr Menschen für ihre Gartenakademie zu begeistern, will die Geschäftsführerin nun noch das Veranstaltungsangebot erweitern. Das nächste Projekt steht fest: Zu Ostern ist eine Kunst- und Fotoausstellung zum Thema Lämmer geplant.

Die Königliche Gartenakademie in der Altensteinstraße 15a in Dahlem hat derzeit montags bis sonnabends von 11 bis 17 Uhr geöffnet und ab Mai dienstags bis freitags von 9.30 bis 19.30 Uhr, sonnabends von 9.30 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Informationen zu Kursen, Reisen und Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.koenigliche-gartenakademie.de. Telefon: 83 22 09 00.

„Mein Ziel ist es, die Gartenkultur in Deutschland wiederzubeleben. Im Garten kehren die Menschen zu sich zurück, entdecken eine neue Art von Individualismus.“

Gabriella Pape,

Gründerin der Königlichen Gartenakademie

in Dahlem

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