Zeitung Heute : Das Glück ist links

Eine schlechte Nachricht ist besser als eine gute – warum das Hirn lieber trauert als feiert

Bas Kast

Das menschliche Gehirn hat eine Vorliebe für Tragik. Ja, es ist, als wäre das Gehirn aufs Trauern geradezu besonders geeicht. Zeigt man Testpersonen fröhliche und traurige Bilder, so ergibt eine Messung ihrer Hirnströme, dass sie auf die traurigen Bilder heftiger reagieren als auf die fröhlichen. In den USA heißt es nicht umsonst: „There is no news like bad news“ – keine Nachricht ist so gut wie die schlechte.

Der Grund dafür liegt in unserer Entwicklungsgeschichte. Gefahren und Unglücken müssen wir unsere besondere Aufmerksamkeit schenken – denn im Extremfall könnten sie unseren Tod bedeuten. Ein schönes Ereignis zu verpassen ist dagegen zwar schade, meist aber geht es dabei nicht um Leben und Tod.

Trotzdem gibt es in unserem Gehirn nicht so etwas wie ein einziges Trauerzentrum – am Trauern sind mehrere Hirnareale beteiligt, vor allem entwicklungsgeschichtlich ältere Strukturen, wie das so genannte limbische System. Das limbische System liegt tief in unserem Gehirn. Man hat Menschen, die sich gerade traurig fühlen, mit Hirnscannern untersucht. Bei ihnen sind Teile des limbischen Systems besonders aktiv. Insbesondere der so genannte Mandelkern scheint dabei eine ausschlaggebende Rolle zu spielen. Wenn umgekehrt der Mandelkern defekt ist, geht man wie mit einer rosaroten Brille durchs Leben: ständig bester Laune.

Auch die vorderen Areale der Großhirnrinde spielen eine Rolle beim Trauern. Dabei scheint es zu einer Arbeitsteilung zwischen der linken und der rechten Hirnhälfte zu kommen. Trauert man, ist besonders das rechte Stirnhirn aktiv. Fühlt man sich glücklich, nimmt das linke Stirnhirn die Oberhand. Das gilt von Geburt an: Babys mit mehr Grundaktivität rechts beginnen, wie Hirnforscher gezeigt haben, sofort zu weinen, wenn ihre Mutter sie verlässt. Kinder mit einem hochaktiven linken Stirnhirn krabbeln ruhig herum und erkunden ihre Umgebung.

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