Zeitung Heute : Das Gold des Gärtners

Eva Neumann[dpa]

Obst- und Gemüsereste, Eierschalen, Tee- und Kaffeefilter: Kluge Hobbygärtner werfen solche Küchenabfälle nicht in die Tonne, sondern auf den Kompost. Anschließend übernehmen andere die Arbeit. Regenwürmer und andere fleißige Helfer zersetzen die Abfälle im Laufe weniger Monate zu wertvoller, nährstoffreicher Erde.

Im Idealfall ist der Kompost schnell und trockenen Fußes von der Küche aus erreichbar. Dass er gerne hinter einem Gartenhäuschen, einer Mauer oder einem Baum versteckt wird, hat vor allem ästhetische Gründe. „Geruchsbelästigung muss bei einem funktionierenden Kompost nicht befürchtet werden. Er duftet nach frischer Erde“, sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin.

Allzu windgeschützt sollte der Kompost nicht sein: Wind sichert die Durchlüftung. Neben Luft braucht der Kompost vor allem ausreichend, aber nicht zu viel Feuchtigkeit. „In der prallen Sonne trocknet der Kompost schnell aus, die Lebewesen darin sterben. Häufiger, direkter Regen wiederum kann einen Großteil der Nährstoffe ausspülen“, warnt Hartmut Clemen, Fachberater im Bundesverband Deutscher Gartenfreunde Bremen.

Ein offener Kompostbehälter kann aus den unterschiedlichsten Materialien konstruiert werden – von Steinen über Drahtgeflechtzaun bis zur ausgedienten Regentonne. „Hier kann man viel improvisieren“, sagt Heiermann. „Bei einer Holzkonstruktion muss man allerdings bedenken, dass die untersten Latten schnell selbst verrotten werden.“ Ein Metallbehälter wiederum darf nicht rosten. „In kleineren Gärten bieten sich sogenannte Thermokomposter an“, empfiehlt Clemen. In diesen geschlossenen Kunststoffbehältern klappt die Zersetzung deutlich schneller.

Zum Befüllen eignen sich alle Gartenabfälle, die verrotten können, sowie rohe, unbehandelte Obst- und Gemüsereste, Eierschalen, Tee- und Kaffeefilter sowie kleine Mengen an Zeitungs- oder Küchenpapier. Die Kunst dabei ist der richtige Mix.

Damit der Verrottungsprozess richtig in Gang kommt, sollte das Material locker gestapelt werden. Trockene und feuchte, grobe und feine, weiche und holzige Materialien wechseln sich ab. „Gerade holzige Materialien werden leicht vergessen. Doch sie sorgen für größere Zwischenräume, so dass die Mikroorganismen und Insekten genug Sauerstoff haben“, erklärt Nabu-Experte Heiermann. Eine solche Holzschicht ist daher auch die ideale unterste Schicht.

Nach etwa sechs Monaten wird der Kompost umgesetzt – am besten in einen zweiten Kompostbehälter: Das innere, schon weiter zersetzte Material kommt nach außen, das äußere nach innen. Weitere sechs Monate später ist der Kompost fertig und kann im Garten ausgebracht werden. Der ideale Zeitpunkt dafür ist der Herbst. „Dann hat der Kompost einige Monate Zeit, sich mit dem Boden zu verbinden“, sagt Michael Schneider vom Verband Humus- und Erdenwirtschaft. Neue Pflanzen dürfen auf keinen Fall in puren Kompost gepflanzt werden. Stattdessen sollte er im Umfeld der Pflanzstelle in die Erde eingearbeitet werden. Für die Verwendung in Töpfen oder Kübeln wird Kompost am besten gesiebt.

Eva Neumann, dpa

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben