Zeitung Heute : Das Größte im Süden

Manager André Rückert schildert, was seine Gropius-Passagen so attraktiv macht: Mehr Service, mehr Auswahl, mehr Veranstaltungen

Rainer W. During

Die Leute schauen sich das eine oder andere neue Shopping-Center an und dann sind sie irgendwann wieder hier. Denn wir fokussieren das Center auf den Standort, sind nah am Kunden und bieten dem Besucher Mehrwert durch Service und Veranstaltungen. Jeder dritte der rund 160 000 Bewohner des Einzugsgebietes besucht die Gropius-Passagen drei bis vier Mal pro Woche.“

André Rückert, Manager Gropius-Passagen

Berlins größtes Einkaufszentrum boomt. Einen „mehrstelligen Millionenbetrag“ will die WealthCap – eine Tochtergesellschaft der UniCredit/HVB-Gruppe und einer der größten Initiatoren geschlossener Fonds mit mehr als 9,6 Milliarden Euro Investitionsvolumen und über 150 000 Anlegern – als Betreiber in den kommenden Jahren in die Modernisierung der Gropius-Passagen investieren. Trotz zunehmender Konkurrenz habe der Standort auch für das nächste Jahrzehnt eine gute Perspektive, sagt Centermanager André Rückert.

„Die Konsumbereitschaft ist eine Frage des Gefühls“, glaubt er. Darauf setzt der ehemalige Möbelhauschef, der 2004 zu den Gropius-Passagen wechselte, auch bei der Werbung. „Wir wollen positive Akzente setzen und die Leute animieren, nach vorne zu blicken“, sagt der 39-Jährige. Nach einem Gastspiel in Chemnitz leitet er seit gut zwei Jahren das fünfköpfige Centermanagement-Team. „Lebe nicht über deine Verhältnisse, aber lebe“, lautet das Motto, dass er den Kunden vermitteln möchte. Die erweisen sich trotz wachsender Konkurrenz als treu. „Die Leute schauen sich das eine oder andere neue Shoppingcenter an und dann sind sie irgendwann wieder hier“, hat André Rückert festgestellt. „Jeder dritte der rund 160 000 Bewohner des Einzugsgebietes besucht die Gropius-Passagen drei bis vier Mal pro Woche.“

Das hat sicher auch historisch gewachsene Gründe. Die Passagen sind fast so alt wie die Gropiusstadt. Bereits 1967 entstand hier eine 17 000 Quadratmeter große Einkaufsmeile mit 40 Läden in Pavillonbauweise. 29 Jahre dauerte es bis zum Wandel vom Nahversorgungszentrum zum Shopping- und Erlebnis-Center von überregionaler Bedeutung. 1996 wurden die auf 35 000 Quadratmeter erweiterten Gropius Passagen eröffnet, ein knappes Jahr später folgte der nächste Bauabschnitt mit 34 Geschäften.

Seit 2002 stehen der Erweiterungsbau mit der Galeria Kaufhof und die Fußgängerbrücke über der Johannisthaler Chaussee. Insgesamt wurden rund 250 Millionen Euro investiert. Rund eine Stunde braucht man, um alle 180 Geschäften des mit 85 000 Quadratmetern Verkaufsfläche größten Berliner Einkaufszentrums nur von außen gesehen zu haben, hat Rückert ermittelt. „Man kann sich hier beim ersten Besuch locker verlaufen“, sagt er. Weitere 12 000 Quadratmeter für Arztpraxen und Kino sowie 2100 Stellplätze in drei Parkhäusern runden das riesige Angebot ab. Mit rund 2500 Beschäftigten – Tendenz steigend – sind die Passagen der größte Arbeitgeber im Bezirk Neukölln.

Und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. 14 Millionen Kunden im vergangenen Jahr sorgten für einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. 75 Prozent der Käufer kommen aus einem Umkreis von acht Kilometern, der Rest insbesondere aus dem südlichen Umland. Sie finden an der Johannisthaler Chaussee eine für Shoppingcenter durchaus nicht alltägliche Wettbewerbsvielfalt. Besonders groß ist mit mehr als 30 Prozent der Anteil der Textilgeschäfte. Die Kunden können Preise ohne lange Wege vergleichen.

„Wir fokussieren das Center auf den Standort, sind nah am Kunden und bieten dem Besucher Mehrwert durch Service und Veranstaltungen“, beschreibt Rückert das Erfolgsrezept der Gropius-Passagen. Das samstägliche Mitternachtsshopping bis 24 Uhr ist seit Jahren ein Hit. Und für die Veranstaltungen – 44 in diesem Jahr – leistet man sich eine eigene Eventplanerin. Tradition hat die österliche Hasenschau mit mechanisch animierten Langohren.

Unter dem Motto „Hoppelwood“ werden in diesem Jahr klassische Szenen aus Hollywoodfilmen nachgestellt. Bei „Space for Kids“ können Kinder im Herbst in Kooperation mit dem Technik-Museum bei einer einstündigen „Raumfahrt“ Gesteinsproben auf dem Mars sammeln und analysieren.

Ein Publikumsmagnet ist seit Jahren die Versteigerung herrenloser Lufthansa-Gepäckstücke am ersten Juni-Wochenende. Zwei Lkw-Ladungen Koffer und Taschen kommen jeweils unter den Hammer. Ob darin Wertvolles oder nur Schmutzwäsche steckt, erfährt man erst nach dem Erwerb.

Der Streit um den 2006 am Veto der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gescheiterten Ausbau um weitere 8000 Quadratmeter ist zu den Akten gelegt. Indessen kann André Rückert überhaupt nicht verstehen, dass sich die Landesbehörde auch weigert, einer Umbenennung des benachbarten U-Bahnhofs Johannisthaler Chaussee in Gropius-Passagen zuzustimmen. Bis zu 23 000 Centerbesucher nutzen täglich das Verkehrsmittel, man wollte Verschönerung, Reinigung und Bewachung der Station finanzieren.

Viel Freizeit lässt der Job des Centermanagers nicht. „Manchmal denke ich wirklich, der Tag müsste eigentlich 48 Stunden haben“, sagt André Rückert.

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