Zeitung Heute : Das große Fressen

Nicht nur die Pflanzenwelt erwacht, sondern auch die Gartenschädlinge

Philipp Eins
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Einer der größten Feinde des Hobbygärtners sind Nacktschnecken. Das Pflanzenschutzamt empfiehlt, umweltschonende Präparate...

Wenn die ersten Spitzen von Osterglocken, Krokussen und Narzissen aus dem Boden ragen, ist der Frühling nicht weit. Doch leider ist es nicht nur die Pflanzenwelt, die zum Leben erwacht. Auch Gartenschädlinge werden wieder aktiv. Sie fressen sich durch Blätter, zerknabbern die Rinde von Bäumen und Sträuchern. Selbst winterliche Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius im vergangenen Januar konnten den Plagegeistern nichts anhaben.

„Es ist, als hielten sie während der kalten Jahreszeit einen Winterschlaf“, erklärt Maria Andrae vom Pflanzenschutzamt Berlin. Insekten brauchen dann nur wenig Energie, um zu überleben. „Selbst die Miniermotte, die jedes Jahr Kastanienbäume befällt, kommt bei diesen Temperaturen durch.“ Ausnahmen gibt es: Blattläuse und Schnecken haben vermutlich nicht überlebt. Ihre Eier dagegen schon. Deshalb wird es kaum weniger Schädlinge geben als vergangenes Jahr – die Tiere vermehren sich sehr schnell. Einer der größten Feinde jedes Hobbygärtners ist die Nacktschnecke. Einige Arten können Kulturpflanzen extrem schädigen, besonders wenn sie in Gewächshäusern oder Gemüsebeeten auftreten. Dazu zählen die sehr häufige Große Wegschnecke sowie Ackerschnecken. „Wenn die Witterungsbedingungen anhalten, könnte sie dieses Jahr ab Mitte April in Berlin und Brandenburg auftreten“, vermutet Andrae.

Um die Schnecke auszurotten, greifen Gärtner zu den unterschiedlichsten Tricks. So lassen sie beispielsweise mit Bier gefüllte Gläser in den Boden ein. Die Schnecken werden durch den Geruch angelockt und ertrinken in den Fallen. Besonders effektiv sei diese Methode jedoch nicht, meint Pflanzenexpertin Maria Andrae. „Schneckenkorn hilft immer noch am besten“, sagt sie. Wer die Umwelt nicht belasten möchte, sollte zu Produkten mit dem Wirkstoff Eisenphosphat greifen. Solche Mittel trocknen die Schnecken nicht aus, sie wirken vielmehr wie eine „Zwangsdiät“. Die Tiere verspüren einfach keinen Hunger mehr.

„In jedem Fall sollte man Schneckenkorn nicht wie Saatgut im Garten verstreuen“, sagt Andrae. Die Köder sind mit Geruchsstoffen ausgestattet, die Schnecken anlocken – auch aus dem Garten des Nachbarn. Besser sei es, die Körner gezielt neben gefährdete Pflanzen zu legen. „Wir empfehlen, Schneckenkorn ausschließlich in speziellen Kästen auszulegen“, sagt Uwe Meilahn, Lektor des neu erschienenen Ratgebers „Der eigene Garten“ bei der Stiftung Warentest. „Die verhindern, dass Hunde, Katzen oder Igel an die Kügelchen kommen.“

Bei vielen Schädlingen sollten Hobbygärtner mit der Schädlingsbekämpfung beginnen, wenn die Schädlinge noch gar nicht richtig da sind. Zum Beispiel bei Pilzbefall. So geht seit einigen Wochen die sogenannte Kreuselkrankheit in Berlin um. Obstbäume, vor allem Pfirsiche, sind betroffen. Im schlimmsten Fall verliert der Baum seine Blätter und trägt keine Früchte. Am ehesten nutzt der vorbeugende Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln. „Die helfen der Pflanze, sich selbst zu helfen“, erklärt Maria Andrae.

Die Auswahl reicht von chemischen bis zu biologischen Präparaten, die sich zum Teil auch selbst anrühren lassen. Ob klassische Hausmittel wie Seifenmischungen und Tabakbrühe, die von vielen Hobbygärtnern gegen Schildläuse und Spinnenmilben eingesetzt werden, auch tatsächlich helfen – daran scheiden sich die Geister. Von aggressiven Pflanzenschutzmitteln dagegen kann Warentester Uwe Meilahn nur abraten. „Für den privaten Garten sind solche Mittel nicht zu empfehlen“, sagt er. Schutzmittel funktionieren wie die Feuerwehr: Sie kommen erst zum Einsatz, wenn der Schädling schon da ist.

Eine dritte Möglichkeit zur Bekämpfung von Schädlingen ist der Einsatz von Nützlingen. Damit bezeichnen Gärtner Insekten, die Schädlinge vertilgen. Auf diese Weise werden zum Beispiel Pflaumen- und Apfelwickler bekämpft. Im Frühjahr schlüpfen aus den in Stamm oder Boden abgelegten Eiern Larven und bohren sich in die noch kleinen Früchte, die sich meist verfärben und abfallen. „Dagegen setzen viele Gärtner Schlupfwespen ein“, erklärt Maria Andrae. Sie nutzen die Eier der Pflaumenwickler für ihren eigenen Nachwuchs – wie ein Parasit. Die Schädlinge sterben aus.

„Effektiv sind solche Nützlinge vor allem in geschlossenen Gebieten, also in Wohnung, Wintergarten oder Gewächshaus“, sagt Uwe Meilahn. Pflanzenexpertin Andrae empfiehlt zudem, Nützlinge nicht beim Gartenbau, sondern im spezialisierten Fachhandel zu kaufen. „Die Auswahl an Nützlingen ist sehr groß.“

Manche Schädlinge kommen gar nicht erst zum Zuge, wenn sich die Hobbygärtner nur gründlich genug um ihre Pflanzen kümmern. Der Borkenkäfer zum Beispiel, der seit den letzten fünf Jahren immer stärker aus dem mediterranen Raum nach Mitteleuropa drängt, schlägt nur in trockenen Gebieten zu. Er kriecht hinter die Rinde von Bäumen und Sträuchern, legt dort seine Eier ab. „Wenn die Pflanzen regelmäßig gegossen werden, ersticken die Käfer – bleiben sie trocken, sterben sie ab“, sagt Andrae. Manche Rezepte können so einfach sein.

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