Zeitung Heute : Das große Spiel

Mathias Klappenbach

Nach längerem Verwirrspiel hat Werder Bremen erklärt, Nationalspieler Miroslav Klose werde bis Mitte 2008 im Kader bleiben. Steht damit auch fest, dass Klose in einem Jahr zum FC Bayern München geht?


Jetzt hat sich Miroslav Klose festgelegt. Er bleibt bis 2008 bei Werder Bremen und erfüllt seinen Vertrag, die vielen Spekulationen um einen Wechsel bereits in diesem Sommer haben sich damit erledigt. „Wir sind froh, dass diese Entscheidung jetzt endlich gefallen ist“, sagte Werder-Manager Allofs gestern. „Es gab von Anfang an drei Möglichkeiten: Miro hätte seinen Vertrag verlängern, ins Ausland wechseln oder bis zum Ende der Laufzeit bei Werder bleiben können. Er hat sich für die dritte Möglichkeit entschieden.“

Zuletzt hatte es die verschiedensten Spekulationen gegeben, nach denen sich Klose beispielsweise mit dem FC Barcelona über einen Wechsel in diesem Sommer einig sei. Oder mit dem FC Bayern, obwohl Werder stets betont hat, Klose nicht vorzeitig an einen nationalen Konkurrenten abzugeben. Der Nationalstürmer hatte sich in der vergangenen Woche mit Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld und Manager Uli Hoeneß getroffen. Offiziell deklarierten beide Seiten das Treffen im Nachhinein als „Informationsgespräch“, denn über einen Wechsel Kloses dürfen sie nach dem Reglement des Weltverbandes Fifa noch gar nicht verhandeln. Klose sagte gestern über seine berufliche Zukunft: „Es ist noch alles möglich.“

Dennoch spricht einiges dafür, dass Kloses Wechsel 2008 nach München feststeht – Barcelona hätte ihn wohl sofort gewollt. Offiziell bestätigen aber wird das niemand. Das Reglement des Fußball-Weltverbandes Fifa schreibt vor, „vor der Aufnahme von Verhandlungen mit dem Spieler dessen aktuellen Verein schriftlich von seiner Absicht in Kenntnis zu setzen.“ Ausgenommen davon ist nur das letzte halbe Jahr der Vertragslaufzeit. Ein Verstoß zieht „angemessene Sanktionen“ nach sich. Die theoretischen Möglichkeiten hierfür reichen von einer Verwarnung über Geldbußen in sechsstelliger Höhe sowohl für den werbenden Klub als auch für den Spieler bis hin zu einem Punktabzug oder sogar Zwangsabstieg.

Vor den härteren Strafen muss sich der FC Bayern aber nicht fürchten, weil es in der Bundesliga zum ersten Mal zu einer Strafe kommen würde. Die Sachlage ist klar: Klose hat sich sogar öffentlich bei den Bremer Fans für die Unterredung mit den Münchner Verantwortlichen entschuldigt. Die haben schon vor einigen Monaten gezeigt, wie man mit der Regel umgeht, die die aktuellen Arbeitgeber vor unlauterem Gebaren von Konkurrenten schützen soll. Als Mitte Dezember durchsickerte, dass Jan Schlaudraff von Alemannia Aachen nach München geht, wurde der Wechsel zwei Wochen lang nicht offiziell bestätigt. Dies geschah erst am 4. Januar, obwohl niemand daran glaubte, dass der FC Bayern erst ab dem erlaubten 1. Januar mit Schlaudraff verhandelt hat.

Sanktionen forderte keiner, und wenn zurzeit der kleinere Klub VfL Wolfsburg Interesse an Vlad Munteanu vom noch kleineren Energie Cottbus zeigt, wird nicht protestiert. Die allerorts übliche Praxis schlägt bisher die Regel. Im Fall Klose aber hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) jetzt Stellungnahmen vom FC Bayern und von Klose angefordert, obwohl Werder gar keinen Protest eingelegt hat. In England wurden bereits hohe Geldstrafen gegen den FC Chelsea, Trainer José Mourinho und den jetzigen Chelsea-Spieler Ashley Cole für Verhandlungen in der Schutzfrist verhängt. Gegen Bayern käme das erst infrage, wenn Klose seinen Wechsel nach München bekannt gibt.

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