Zeitung Heute : Das Gute liegt nicht immer nur nah

Fernhochschulabsolventen müssen sich auf dem Arbeitsmarkt nicht verstecken – im Gegenteil.

Weiterbildung ist der Schlüssel. Wer beruflich in einer Sackgasse steckt oder den nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen will, entscheidet sich häufig für eine berufsbegleitende Qualifizierung in Form einer Aufstiegsfortbildung mit anschließender IHK-Prüfung. Oder für ein Fernstudium mit einem Bachelor (BA) oder Master (MA) als Abschluss; an manchen Fachhochschulen gibt es auch noch das gute alte Diplom.

Dabei ist die Bandbreite der Fernstudiengänge zwar nicht so breit gefächert wie im Präsenzstudium, aber immerhin so bunt wie die Arbeitswelt selbst: von Elektrotechnik bis Gesundheitsökonomie, von Frühpädagogik bis Nachhaltigkeitsmanagement. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben rangieren wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge mit dem Ziel MBA, dicht gefolgt von Informatik, besonders Wirtschaftsinformatik. Aber auch Fächer, die zu den Wachstumsbranchen Gesundheit, Maschinenbau, Elektrotechnik und Umweltechnik passen, liegen hoch im Kurs.

Doch ein berufsbegleitendes Studium verlangt nicht nur Disziplin und Eigeninitiative: Es kostet auch Zeit, Energie und vor allem Geld. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Studiengängen und Anbietern. In der Regel sind die Gebühren an staatlichen oder gemeinnützigen Hochschulen niedriger als an privaten Institutionen. So kann zum Beispiel ein internationaler MBA in englischer Sprache – je nach Anbieter und inhaltlicher Ausrichtung – zwischen 12 000 und 50 000 Euro kosten.

Seine Entscheidung sollte man aber nicht allein von der Höhe der Studien- und Prüfungsgebühren abhängig machen, zumal diese in der Regel als Werbungskosten oder Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden können. Auch andere Faktoren spielen bei der Wahl der Fernuni eine Rolle. Zugangsvoraussetzungen, Inhalte und Studiendauer zum Beispiel, aber auch die Qualität der Betreuung. Außerdem wichtig: Der angebotene Abschluss sollte staatlich anerkannt sein und eine gute Reputation genießen. Das gilt vor allem für Masterstudiengänge und insbesondere den MBA. Nicht zuletzt entscheidet aber auch der Praxisbezug. Denn Arbeitgeber suchen meist keine „Superakademiker“, sondern Menschen, die sich über ein zusätzliches Studium fachbezogen und praxisnah weiterqualifiziert haben – und so auch dem Unternehmen nutzen.

Der Fachkräftemangel lässt die Nachfrage weiter steigen; das belegt unter anderem eine Umfrage des Forsa-Instituts aus dem vergangenen Jahr. Demnach beklagen mehr als 80 Prozent der Personalverantwortlichen in Unternehmen mit über 150 Mitarbeitern, dass sie zunehmend Probleme haben, geeignete Fachkräfte zu rekrutieren und freie Stellen zu besetzen. 45 Prozent setzen auf Weiterbildungsangebote, um die Innovationskraft ihres Unternehmens zu erhöhen. Wer sich also mit einem Fernstudium Fachwissen aneignet und gleichzeitig seinem Betrieb als Arbeitskraft erhalten bleibt, kann doppelt punkten.

„Wir beobachten, dass ein berufsbegleitendes Fernstudium bei Arbeitgebern sehr gut ankommt“, sagt Florian Schindler, Direktor des Fernstudieninstituts an der Beuth Hochschule in Berlin. „Viele unterstützen ihre Mitarbeiter sogar finanziell oder stellen ihnen einen Firmenwagen zur Verfügung, wenn sie zu den Präsenzseminaren anreisen.“ Dabei seien rund 80 Prozent der Fernstudenten erfahrene Menschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die bereits ein Studium absolviert hätten oder im Anschluss an ihre Ausbildung und einige Jahre Berufserfahrung eine Aufstiegsfortbildung machten. „Viele Frauen, die während der Elternzeit beruflich den Anschluss nicht verlieren möchten, entscheiden sich ebenfalls für ein Fernstudium. Aber auch immer mehr Männer“, so Schindler.

Voraussetzung für einen Bachelorstudiengang ist dabei – wie im Präsenzstudium – in der Regel mindestens das Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung, für ein Masterstudium mindestens ein Bachelor. Wer vor der Neuregelung der Hochschulabschlüsse studiert hat und ein Diplom oder einen Magister mitbringt, ist ebenfalls für ein BA- oder MA-Fernstudium qualifiziert. „Gerade arbeiten wir daran, feste Regeln für alle Studieninteressierten zu finden, die keinen Hochschulabschluss haben“, sagt Schindler. Durch diese verbesserte „Durchlässigkeit“ werde es in Zukunft zum Beispiel leichter für einen Elektriker mit Meisterbrief, einen internationalen MBA im Bereich erneuerbare Energien zu machen. Tong-Jin Smith

Autor

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben