Zeitung Heute : „Das ist eine Negativwerbung für die Stadt“

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Von Kay Grimmer

Potsdam. Die überraschende Absage der diesjährigen Potsdamer Schlössernacht hat gestern für viel Gesprächsstoff in der Landeshauptstadt gesorgt. Nach Informationen der Potsdamer Neuesten Nachrichten stand die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg mit dem Veranstalter Peter Schwenkow in Verhandlungen. Wegen „nicht einschätz- und kalkulierbarer Risiken“ zog sich die Firma jedoch von den Verhandlungen zurück. Die Agentur soll außerdem einen Widerspruch zwischen einer als offiziell geltenden Veranstaltung und dem eigentlichen Charakter der Schlössernacht ­ nämlich einer Marketingveranstaltung für Stiftung, Stadt und Land – gesehen haben.

Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) bedauerte, dass die Schlössernacht 2002 ausfallen wird, zeigte jedoch Verständnis für die Entscheidung der Stiftung. „Ich bin zuversichtlich, dass die Potsdamer Schlössernacht im nächsten Jahr wieder stattfindet,“ sagte Platzeck. Die Stadt werde gemeinsam mit der Stiftung alle Anstrengungen unternehmen, um dafür zu sorgen, dass 2003 die Tradition der weit über die Grenzen Brandenburgs bekannten Veranstaltung weitergeführt wird.

Erstaunt und überrascht haben die Stadtfraktionsvorsitzenden von SPD, PDS und Bürgerbündnis die Absage der diesjährigen Schlössernacht aufgenommen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Mühlberg bedauerte die Pause der „schönen Veranstaltung“. Aber im Anbetracht ungeklärter Finanzierung und dem Fehlen eines Veranstalters sei es eine nachvollziehbare Entscheidung. Wichtig wäre es, Schlussfolgerungen zu ziehen, „sowohl aus der Pleite der bisherigen Agentur Gross Events als auch aus dem Scheitern der neuen Verhandlungen“. Dabei müsse überprüft werden, wie die Finanzierung und so das Risiko geteilt werden kann, beispielsweise mit einem Sockelbetrag aus dem Potsdamer Haushalt.

Dem widersprach PDS-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Scharfenberg: „Die Situation im Haushalt ist so angespannt, wir kürzen bei der Kultur, da können wir nicht parallel erkleckliche Beträge der Schlössernacht zur Verfügung stellen.“ Vielmehr müsse es doch möglich sein, dass sich solch eine Veranstaltung selbst trage: „Diese kleine Krise muss jetzt aufgelöst werden, alle Beteiligten sollten an den Tisch kommen.“ Scharfenberg zeigte sich vor allem verwundert, dass die Stadt nicht vorher informiert wurde.

„Solch ein Scheitern hätte sich doch abzeichnen mü ssen“, meint auch Ute Platzeck, Vorsitzende der Fraktion Bürgerbündnis. Sie war überrascht über die nicht ausgeprägte Kommunikation zwischen Stadt und Stiftung. „Es ist ein großer Imageverlust und eine Negativwerbung für die Stadt“, erklärte sie gestern. Man dürfe die Schlössernacht nicht ausfallen lassen, sondern müsse ein Äquivalent noch in diesem Jahr anbieten.

Für die Potsdamer Hoteliers ist der Ausfall der Open-Air-Veranstaltung ein großer Verlust, erklärte Hartmut Pirl, Vorsitzender des Tourismusverbandes Potsdam-Havelland. „Die Schlössernacht brachte in den letzten Jahren Komplettausbuchungen bei allen städtischen Hotels.“ Da in Hotelprogrammen seit mehreren Monaten mit der Schlössernacht geworben wurde, müsse man nun mit Stornierungen rechnen und Ersatzprogramme entwerfen.

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