Zeitung Heute : Das ist ihr Verdienst

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat aktuelle Zahlen über die Verdienststruktur der Arbeitnehmer in Deutschland veröffentlicht. Wie haben sich die Einkommen entwickelt?

Maren Peters

Kaum ein Politiker, der in den vergangenen Monaten nicht gefordert hätte, dass „mehr Netto vom Brutto“ übrig bleiben muss. Und kaum ein Verbraucher, der dazu nicht zustimmend genickt hätte. Umso irritierender erscheinen die neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes. Danach hat sich das Nettoeinkommen in den vergangenen zehn Jahren so gut wie gar nicht verändert. Von 100 Euro Bruttolohn kamen bei Vollzeitbeschäftigten im produzierenden Gewerbe, Handel, Kredit- und Versicherungswesen im Schnitt 64,41 Euro an. 2001 waren es noch 64,77 Euro, und 1995 blieben netto 65,23 im Portemonnaie, wie die Statistiker ermittelt haben. Also eigentlich kein Unterschied, der der Rede wert gewesen wäre.

Dass der Unterschied doch größer ist, als die Zahlen sagen, liegt unter anderem daran, dass die Statistiker mit Durchschnittswerten operieren. Sie sagen zum Beispiel nichts über die Verteilung der Einkommen aus, also darüber, ob die Krankenschwester über die Jahre einen – gemessen am Gehalt – genauso großen prozentualen Nettobetrag zurückbehält wie der Oberarzt.

Tatsächlich sei die Belastung für mittlere Einkommen am größten, sagt Viktor Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Das liege auch daran, dass die Steuerreformen der letzten Jahre Geringverdiener und Gutverdiener stärker entlastet hätten als die Mitte. „Bei mittleren Einkommen schlägt die Belastung am meisten zu“, sagt der Ökonom.

Außerdem geben die Nettolöhne keine Auskunft darüber, wie viel das Geld wert ist. Die stark gestiegene Inflationsrate sei in den Zahlen der Statistiker noch nicht enthalten, die stammten nämlich aus dem Jahr 2006, sagte DIW-Experte Steiner. Die erheblichen Preissteigerungen vor allem für Energie und Lebensmittel hatten die Inflation aber erst in den vergangenen Monaten auf Rekordwerte getrieben. Und auch die Mehrwertsteuer sei erst Anfang 2007 um drei Prozentpunkte angehobenen worden, sagte Steiner. Darum hätten die jetzt vorgelegten Daten zur Nettolohnentwicklung nur begrenzte Aussagekraft.

Mehr Aufschluss geben die Zahlen des Bundesamtes darüber, wo Arbeitnehmer – statistisch gesehen – die besten Chancen auf ein hohes Einkommen haben. Am meisten erhalten die Angestellten großer Unternehmen (3618 Euro brutto im Monat), am wenigsten die Beschäftigten kleinerer Betriebe (2534 Euro brutto). Durchschnittlich verdienten Arbeitnehmer im Oktober 2006 knapp 3100 Euro, netto blieben davon 1986 Euro übrig.

Die Beitragssätze der Arbeitnehmer zur Sozialversicherung stiegen dabei von 20,5 Prozent (1995) auf 20,4 Prozent im Jahr 2006.

Groß sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Berufen: Über den höchsten Bruttojahresverdienst konnten sich Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter freuen (92 556 Euro), gefolgt von Rechtsvertretern und Rechtsberatern (82 135 Euro) und Angestellten in der Luftverkehrsbranche (77 796 Euro). In der Spitzengruppe behaupten sich auch Unternehmensberater, Ärzte und Chemiker.

Am unteren Ende der Einkommensskala sind Wäscher, Friseure, und Raumpfleger. Fleisch- und Wursthersteller verdienten mit durchschnittlich 23 333 Euro brutto am allerwenigsten.

Zusätzlich zu ihrem Monatslohn erhalten viele Arbeitnehmer Sonderzahlungen. Und auch diese Zahlungen – wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Leistungsprämien – fallen bei großen Einkommen höher aus und machen einen größeren Anteil am Jahresverdienst aus als bei kleinen Einkommen. So erhielten Geschäftsführer im Schnitt 16 017 Euro pro Jahr zusätzlich, das entspricht 17,3 Prozent des Jahresverdienstes. Friseure waren auch hier Schlusslicht mit 337 Euro Sonderzahlung, was gerade einmal 2,1 Prozent vom Jahresverdienst ausmacht.

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