Zeitung Heute : Das ist mein Bier

Rudolf Hempel

Seine Vorlesungen absolvieren und im Studiengang gleichzeitig praktische Arbeitserfahrungen sammeln – das ist für viele Studenten eine Traumkombination. Bei den Bierbrauern der Techischen Universität gibt es diese Mischung. Wer irgendwo in der Welt eine Zukunft im Braugewerbe sucht und dabei Bierweltmeister Deutschland im Blick hat, sollte nach Berlin kommen.

Für den 28jährigen Ingenieur Pär-Gustaf Relander aus Lathi in Finnland wurde die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB), mit der die TU auf das Engste verbunden ist, zur neuen Ausbildungsstätte. Er absolviert gegenwärtig einen zweisemestrigen Braumeisterkurs. Sein Studium zeigt, wie Theorie und Praxis an der Uni verbunden werden.

Das fachliche Renommee der VLB war Relander nicht nur von der Firma, sondern auch von Vater Harald empfohlen worden. Der hatte sich vor knapp dreißig Jahren an gleicher Stelle qualifiziert. Sohn Pär-Gustaf würdigt das internationale Flair im Studienbetrieb. Das Aufbaustudium vereint Studenten aus nahezu allen Kontinenten.

Die Versuchsanstalt für Brauerei und die Universität bieten moderne Labors und Versuchsanlagen, eine breit gefächerte ingenieurwissenschaftliche Ausbildung, biotechnologische und umwelttechnische Orientierung. Die Ausbildung erfolgt durchweg in englischer Sprache. „In unserem Fachgebiet bieten wir den rund siebzig Studenten, davon ein knappes Viertel Ausländer, etwa zwei Dutzend Fächer an“, sagt Frank-Jürgen Methner, Professor für Brauwesen. „Neben den speziellen Braufächern gehören dazu auch Physik, Chemie, Botanik, Thermodynamik und Mathematik, bis hin zur Gentechnik.“ Nach 18 Jahren bei einer Brauerei kam er im Oktober 2004 an die TU und setzt nun im Backstein-Campus an der Seestraße in Berlin-Wedding eine Tradition fort, die 1883 ihren Anfang nahm. Damals wurde die Versuchsanstalt gegründet.

Frank-Jürgen Methner will die Kooperation mit Universitäten im Ausland ausweiten und die Kontakte zur Industrie, insbesondere zum Mittelstand, intensivieren. So spendierten zwei Unternehmen vor drei Jahren eine voll automatisierte Sudhausanlage aus Edelstahl – im Wert von einer Million Euro. „Zudem werden wir die Beziehungen zu den Brauunternehmen der Region Berlin-Brandenburg vertiefen“, sagt Methner. Das schließt Exkursionen ein – nach Spandau, Weißensee oder Köpenick. Oder nach Neuzelle nahe der Oder, zur Klosterbrauerei, die den „Schwarzen Abt“ nach höchstrichterlichem Spruch endlich Bier nennen darf.

Mehr Informationen im Internet:

www.vlb-berlin.org

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