Zeitung Heute : „Das ist wie mit dem Erdbeben in Los Angeles“

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Deutschland hat die EUKommission über das Auftreten der Vogelgrippe informiert. Wie gut sind Europas Staaten vorbereitet, Herr Madelin?

Das Wichtigste ist: Es gibt EU-weit einen Grundkonsens darüber, was im Falle eines solchen Falles getan werden muss. Die Veterinärämter der Einzelstaaten stehen in Verbindung, sie telefonieren miteinander, tauschen sich aus. Am Dienstag hat Deutschland den Fall gemeldet, am Mittwoch wurden die entsprechenden Maßnahmen ergriffen: Es wurden Schutz- und Beobachtungszonen eingerichtet, Transportverbote verhängt, beziehungsweise Transporterlaubnisse beschränkt auf den Weg vom Betrieb in das Schlachthaus. Die Jagd auf Wildvögel wurde verboten. Und mit einer Stallpflicht verhindern wir, dass das Geflügel mit Wildvögeln in Berührung kommt. All das hatten die deutschen Behörden schon eingeleitet. Also: Wir sind sehr gut vorbereitet.

Was muss aus Ihrer Sicht jetzt passieren?

Die Bevölkerung muss informiert werden, um Panik zu vermeiden. Allen muss klar sein: Selbst im Falle einer Vogelgrippe-Pandemie würden nur wenige Menschen erkranken. Und die meisten Erkrankten würden wieder gesund.

Was raten Sie den Menschen?

Zuallererst würde ich sagen: Denken Sie daran, dass Vögel, auch in Europa, und egal, ob es sich um Wildvögel oder Zuchttiere handelt, das Virus in sich tragen können. Und stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder keine toten Vögel anfassen oder aus Mitleid sich um solche kümmern, die sich merkwürdig verhalten. Zweitens: Essen Sie beruhigt auch weiterhin Geflügel. Es gibt keine Gesundheitsrisiken. Alles, was man im Geschäft kaufen kann, ist gut. Braten oder kochen Sie das Fleisch, beachten Sie die ganz normalen Hygieneregeln, waschen Sie sich die Hände, und alles ist gut.

Ist die Gefahr eines Überspringens auf den Menschen größer geworden?

Nein. Richtig ist: Große, den Menschen heimsuchende Grippewellen sind zumeist das Ergebnis großer tierischer Grippeerkrankungen. Das tierische Virus mutiert und springt auf den Menschen über. Das kann jederzeit und überall passieren. Aber: Das lässt sich nicht vorhersagen. Das ist wie mit dem Erdbeben in Los Angeles: Jeder weiß, dass es kommen kann und kommen wird, aber keiner weiß, wann.

Robert Madelin ist Generaldirektor für Gesundheit und Verbraucherschutz der EU-Kommission.

Das Gespräch führte Michael Schmidt.

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