Zeitung Heute : Das könnten sie wissen

Anja Kühne Albrecht Meier

Die Bundesrepublik baut ihr Bildungssystem nach Ansicht der OECD zu langsam um. Was muss passieren, damit Deutschland nicht ins Hintertreffen gerät?

Deutschlands Bildungswesen fällt immer weiter zurück und droht international den Anschluss zu verlieren. Das ist die Ansicht von Andreas Schleicher, einem führenden Bildungsexperten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Schulreformen in Deutschland würden zu langsam umgesetzt, den Politikern mangele es an einer „strategischen Vision“. Schleicher äußerte sich vor der Veröffentlichung des jährlichen OECD-Bildungsreports am heutigen Dienstag. Er kritisierte, die Schüler würden weiter zu wenig individuell gefördert, das dreigliedrige Schulsystem sortiere weiter aus. Auch gebe Deutschland zu wenig Geld für Bildung aus.

Die Bundesrepublik sei bei den Bildungsausgaben pro Schüler und Student von Platz zehn auf Platz 15 abgerutscht, berichtet das „Handelsblatt“. Bei den Bildungsausgaben für Kinder im Grundschulbereich belegt Deutschland nach Informationen des Tagesspiegels einen Platz unterhalb des Durchschnitts. Gemessen an den Bildungsausgaben pro Schüler belegt Deutschland unter 27 Staaten den 17. Rang. Spitzenreiter bei den Bildungsausgaben im Grundschulbereich sind dagegen Luxemburg, Dänemark und die USA. Schleicher beklagt, dass in Deutschland gerade in einem Bereich gespart werde, in dem Pädagogen bei den Schülern noch viel erreichen könnten – in den ersten Schuljahren.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) wirft Schleicher unterdessen vor, „seine Rolle erheblich zu überdehnen“. Er versuche, „Innenpolitik zu machen“ und spreche „wider besseren Wissens“, sagt Erich Thies, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz. Thies verweist auf die Fülle der Reformen, die bereits in den Ländern angeschoben wurden. In der Tat bewegt sich manches. In bundeseinheitlichen Bildungsstandards wird verglichen, was die Schüler wirklich gelernt haben. Das Zentralabitur sorgt für mehr Transparenz, genauso wie die neue nationale Bildungsberichterstattung. Die meisten Bundesländer beginnen, ihren Schulen mehr Autonomie zu gewähren. Ganztagsschulprogramme laufen an. All diese Schritte werden auch von Pädagogen gefordert.

Wichtig für den Reformerfolg ist auch die Ausbildung der Lehrer. Ob diese sich aber tatsächlich entscheidend verändert, ist noch nicht klar zu erkennen – hier muss die Politik entschlossen anpacken. Genauso wie bei der frühkindlichen Erziehung, der Mutter aller Fortschritte im Bildungswesen. Deutschlands Kitas brauchen hoch qualifizierte Erzieherinnen – doch bislang werden sie nur an Fachschulen ausgebildet. Und noch viel zu wenig Kinder gehen in den Kindergarten. Es muss gelingen, gerade sozial schwache Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder hier fördern zu lassen.

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