Zeitung Heute : Das Kulturzentrum "Manggha" gehört zum Nationalmuseum und zeigt unübertroffene Sammlungen asiatischer Kunst

Stefan Eggert

In Krakau, direkt am Ufer der Weichsel, befindet sich seit wenigen Jahren das japanische Kulturzentrum "Manggha" der Kyoto-Krakau-Foundation. Es gehört zum Nationalmuseum der Stadt und beherbergt das "Zentrum für Japanische Kunst und Technologie".

Der moderne Flachbau aus dem Jahre 1995 wirkt inmitten einer geschichtsträchtigen Umgebung mit Burgen und Wehranlagen keineswegs als Widerpart, sondern als gelungene Ergänzung zur Wawelburg samt Kathedrale und der sagenumwobenen Drachenhöhle. Der Bau mit dem weitgeschwungenen Dach - entworfen von dem japanischen Architekten Arata Isozaki - korrespondiert dabei spielerisch mit den Wellen der Weichsel und schmiegt sich gleichsam seinem gemächlichen Rhythmus an.

Das Zustandekommen dieses einmaligen Ensembles ist dem Einsatz einzelner Personen zu verdanken, die von sich aus die Initiative zu einer in Europa einzigartigen Sammlung sowie dem heutigen Bau ergriffen haben. Vor allem ist es dem Kunstkenner und Sammler Felix Jasienski zu verdanken, dass eine umfangreiche Kollektion japanischer Kunstgegenstände in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts in Krakau zusammengetragen wurde. Jasienski, dessen Pseudonym der japanische Name für Skizzen auf hölzernen Tafeln - manggha - war, stiftete 1920 seine Sammlung dem Nationalmuseum in Krakau und wurde ihr erster Kustode. Großen Schaden erlitt die Sammlung von über 6500 Objekten japanischer Herkunft durch das nazistische Generalgouvernement Polen, als sich viele deutsche Raffhälse à la Kunstliebhaber Göring frech bedienten, um ihren treudeutschen Wohnzimmern einen exotischen Anstrich zu geben. Immerhin war Japan seinerzeit Waffenbruder im faschistischen Geist, und Polen wurde okkupiert und ausgeplündert. Auf der Burg residierten die Deutschen von 1939 bis 1945. Doch schon 1944 sah der neunzehnjährige Andrzej Wajda in den Krakauer Tuchhallen eine Auswahl der japanischen Sammlung, und die Leidenschaft für die japanische Kunst und Kultur sollte den später weltberühmten Regisseur ("Asche und Diamant") nicht mehr loslassen. Zusammen mit seiner Frau Krystyna Zachwatowicz reiste er mehrfach nach Japan, wo seine Filme ein großes Publikum erfreuten. Am Ende fand das Projekt eines Japanischen Kulturinstituts zahlreiche Unterstützung in Japan und in Polen. Nicht zuletzt beherbergt es nun auch das Andrzej-Wajda-Archiv. Unübertroffen aber ist das Haus in seiner Sammlung japanischer Kunst, die in wechselnden Ausstellungen immer wieder neu zusammengestellt und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Glanzvolles Kernstück der Sammlung sind die Gemälde auf hölzernen Tafeln von solch namhaften Künstlern wie Kitagara Utamaro (1753-1806), Katsushika Hokusai (1760-1849) und dem großartigen Utagawa Hiroshige (1797-1858). Aber auch Waffen, Rüstungen, Masken, Kostüme, Keramiken, Statuen, Lackkunst und Schmuck geben einen lebendigen Überblick über die japanische Kunst der letzten Jahrhunderte. Die schönen Räume des Manggha sind nicht vollgestopft mit den Schätzen, sondern lassen dem Besucher Raum und Muße für eine genussvolle Betrachtung japanischer Kunst und vieler reizender Kleinodien. Im gut sortierten Museumsshop wird man nicht mit japanischem Kitsch belastet, sondern kann sich an Bildern, Büchern und allerlei Porzellan und Keramiken erfreuen.

Ein weiterer Höhepunkt dürfte ein Besuch der Caféteria sein, da die Räume und eine weitläufige Terasse auf die Flussseite hinausreichen, so dass man bei japanischem Tee und Kuchen die Weichsel und den Wawelberg mit einem Blick erfassen kann. Japanische Zeitschriften und Illustrierte und ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm bringen ein Stück Japan nach Europa und Polen.Adresse: Zentrum der Japanischen Kunst und Technologie, Manggha, Nationalmuseum Krakau, Kyoto-Krakau-Foundation; Konopieckiejstraße 26, 30-302 Krakau; Telefon: 00 48 / 12 / 267 27 03, Telefaxnummer: 00 48 / 12 / 267 40 79. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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