Zeitung Heute : Das läuft und läuft

Mustafa Ertürk handelt mit Autoteilen und versteht sich als Brückenbauer zwischen Türkei und Deutschland

Katja Gartz

Nein, die Abwrackprämie hat seine Laune nicht getrübt. Der Typ Autofahrer, der seinen Wagen lieber in die Werkstatt als zum Schrottplatz fährt, ist noch nicht ganz ausgestorben. Ersatzteile werden also weiterhin gebraucht. „Seit Mai geht es wieder aufwärts“, sagt der Ingenieur Mustafa Ertürk, Geschäftsführer der Erexim GmbH. Der Berliner Unternehmer arbeitet in der Türkei mit zwanzig Herstellern von Fahrzeugteilen zusammen. Seine Kunden sind deutsche Großhändler, die europa- oder weltweit ihre Abnehmer beliefern. Zu seinem Sortiment zählen 6000 verschiedene Artikel: von Lenkungsteilen über Brems- und Kuppelteile bis hin zu Kühlerschläuchen und Fahrwerksfedern.

Produzieren lässt er die Ersatzteile in der Türkei, je nach Bestellung seiner Kunden. In seinem Lager in Spandau werden sie umgepackt und an seine Auftraggeber verschickt. In Ertürks Branche heißen sie Identteile. „Sie entsprechen dem Original der Automobilhersteller und haben ebenfalls zwei Jahre Garantie“, sagt der 44-Jährige. Ihr entscheidender Vorteil: Sie sind günstiger als die Originale. Sein Unternehmen ist vom Tüv nach der Norm für Qualitätsmanagement zertifiziert worden. Diese bestätigt beispielsweise die gute Qualität seiner Produkte.

Mustafa Ertürk fährt alle drei Monate in die Türkei, um seine Lieferanten zu besuchen und um mit seinen Kunden die Produktion zu besichtigen. „Gute Qualität und guter Service sind wichtig“, sagt der Ingenieur, der seit zwölf Jahren in der Branche tätig ist und viele langjährige Kunden besitzt. Er hat sich auf Ersatzteile für Pkws spezialisiert und braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu fürchten. In Deutschland gebe es noch zwei vergleichbare Firmen, die jedoch für Lkw-Ersatzteile zuständig seien.

Dennoch bekam auch Mustafa Ertürk die Wirtschaftskrise mit einem Umsatzminus von 15 Prozent leicht zu spüren. In den drei Jahren davor konnte er seinen Umsatz verdoppeln. „Jetzt sind wir sehr gut ausgelastet und haben den Stand von 2007 fast wieder erreicht“, sagt der Unternehmer. Er beschäftigt sechs Mitarbeiter und bildet seit 1999 regelmäßig Kaufleute für Groß- und Außenhandel aus. Um weiter zu wachsen, hat er bereits die Büroräume in Hermsdorf um drei Arbeitsplätze erweitert. Außerdem will er sein Produktangebot erweitern.

Er lebt gerne in Berlin und ist aktives Mitglied im Verein Hermsdorfer Geschäftsleute. Ihm gefällt, dass die Stadt so grün ist und viel Kultur bietet. Er fühlt sich hier zu Hause, weil seine eigene Familie hier ist. Sein Vater und seine Geschwister leben in der Türkei. Immer wenn er dort ist, fehlt ihm Berlin, und umgekehrt. Aufgewachsen in Samsun am Schwarzen Meer, kam er 1988 nach Deutschland, um nach seinem Maschinenbaustudium in der Türkei auch noch einen Abschluss im Ausland zu machen. „Um das Studium zu finanzieren, habe ich nachts Schweißarbeiten gemacht, auf Baustellen und in Restaurants ausgeholfen“, erinnert sich der zweifache Vater.

Eigentlich wollte Mustafa Ertürk immer in die Türkei zurück, doch als er in Berlin seine Frau kennenlernte, änderte er seine Pläne. Als sein Unternehmen anfangs wenig Gewinn abwarf, er Vorurteile abbauen und Menschen überzeugen musste, die mit türkischen Produkten schlechte Erfahrungen gemacht hatten, brachte seine Frau Emine Yüksel das Geld nach Hause. Sie war damals im praktischen Jahr und ist heute Gynäkologin mit eigener Praxis in Tegel. „Jetzt passe ich auf die Kinder auf, wenn sie sich in deutsch-türkischen Vereinen engagiert“, sagt Ertürk. Das ist einfach zu organisieren: Die Familie wohnt über der Firma.

www.erexim.de

Jetzt sind wir sehr gut ausgelastet und haben den Stand

von 2007 fast wieder erreicht.“

Mustafa Ertürk, Erexim-Chef

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