Zeitung Heute : Das Land und seine Freiheit

Was die Organisation Eta in Spanien erreichen will

-

Die einzige gültige Lösung ist, dass das Baskenland in das 21. Jahrhundert als unabhängiger Staat geht“, sagt der intellektuelle Kopf des – inzwischen verbotenen – politischen EtaFlügels „Batasuna“, Arnaldo Otegi. Neben diesem Fernziel eines unabhängigen Staates, der durch die Vereinigung der nordspanischen und südfranzösischen Baskenprovinzen entstehen soll, kämpft die Eta mit Terroranschlägen gegen die „Besetzung“ des Baskenlandes durch dort stationierte spanische Militär- und Polizeieinheiten.

Otegi wies am Donnerstag zurück, dass die Eta hinter diesem schlimmsten Terrorattentat der spanischen Geschichte steckt und machte den „arabischen Widerstand“ – also islamistische Gruppen – für das Blutbad verantwortlich. „Die Art und Weise, wie die Bombenanschläge verübt wurden und die hohe Zahl von Opfern“ deuteten auf islamistische Täter hin. „Die Eta hat immer vor ihren Bomben telefonisch gewarnt“, sagte Otegi.

800 Menschen ermordet

Die Eta, die in den letzten Jahren durch zahlreiche erfolgreiche Aktionen der Polizei geschwächt worden war, gilt immer noch als breit organisierte Separatisten-Bewegung mit mafiosen Strukturen. Die Eta besteht aus kleinen bewaffneten Kommando-Einheiten für die Mordaufträge. Um sie herum gruppieren sich Satelliten-Einheiten, die für das Auskundschaften der Ziele zuständig sind. Das Sympathisantenumfeld der Eta umfasst zehntausende Basken. Von baskischen Unternehmern erpresst die Eta „Revolutionssteuern“ in Millionenhöhe. Wer nicht zahlt, lebt gefährlich.

Die Eta (wörtlich: Euskadi ta Azkatasuna/Das Baskenland und seine Freiheit) wurde 1959 gegründet und war zunächst eine Widerstandsbewegung gegen das diktatorische Franco-Regime, das in Spanien bis 1975 herrschte. Unter Franco waren alle regionalen Minderheiten im Land, also auch das baskische Volk, rund 2,5 Millionen Menschen, brutal unterdrückt worden. Die baskische Sprache und Kultur waren verboten. Doch auch nachdem die Basken im demokratischen Spanien als Nationalität mit eigener Sprache anerkannt waren und ihnen weitgehende Autonomie-Rechte zugesprochen wurden, ging der bewaffnete Kampf der Eta gegen den Zentralstaat weiter.

Laut Eta-Logik hat sich für die Basken auch unter der spanischen Demokratie nichts an der Unterdrückung geändert. Seit ihrem ersten Mord 1968 brachte die Eta im Namen der baskischen Unabhängigkeit rund 800 Menschen um. Terrorziel sind meist Vertreter des spanischen Staates und öffentliche Einrichtungen, auch in Urlaubsorten wurden immer wieder Bomben gezündet. ze

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar