Zeitung Heute : Das leuchtet nicht jedem ein

Australien will für den Klimaschutz Glühlampen verbieten. Was würde das in Deutschland bringen?

Dagmar Dehmer

Für klimapolitischen Aktionismus ist Australien nicht bekannt. Doch am Dienstag kündigte Umweltminister Malcolm Turnbull an, dass sein Land etwas für den Klimaschutz tun möchte – von 2010 an soll der Verkauf von Glühbirnen verboten, von 2015 an sollen sie gar nicht mehr eingesetzt werden. Der grüne Umweltpolitiker Reinhard Loske spottete zwar, den Australiern sei „offenbar ein Licht aufgegangen“. Dennoch findet er die Idee nicht schlecht. Besonders gefällt ihm, „die Renaissance des Ordnungsrechts“. Außerdem könne die erprobte Klimaschutztechnik inzwischen ohne Komfortverlust am Markt durchgesetzt werden.

Auch der SPD-Energiepolitiker Frank Schwabe hält den Schritt für „eine gute Idee“. Energiesparlampen hätten jetzt einen Preis, der auch unter sozialen Gesichtspunkten akzeptabel sei. Er hofft, dass die EU nun ernsthaft das japanische Vorbild von Effizienzstandards diskutiert. Dort wird generell bei Elektrogeräten das sparsamste Produkt zum Standard erklärt, den alle Hersteller innerhalb von fünf Jahren erreichen müssen. Gelingt das nicht, dürfen sie die Produkte in Japan nicht mehr verkaufen. Schwabe würde eine solche Regel „unterstützen.“

Tatsächlich könnte der Einsatz von Energiesparlampen auch in Deutschland einen gar nicht so kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Rund zehn Prozent des Stroms wenden private Haushalte für die Beleuchtung auf. Würden sie Energiesparlampen einsetzen, könnten sie acht Prozent davon einsparen. In reinen Bürohäusern wird nach Angaben der Deutschen Energieagentur sogar die Hälfte des eingesetzten Stroms für Beleuchtung verbraucht, in Geschäftshäusern 22 Prozent. Bisher haben Energiesparlampen nach Angaben des Öko-Instituts in Gewerbebetrieben einen Anteil von etwa 25 Prozent erreicht. In Haushalten liegt nach Informationen des Umweltbundesamts (UBA) der Anteil sogar noch unter 20 Prozent. Die EU schätzt, dass in Europa insgesamt mit Stromsparlampen jedes Jahr bis zu 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden werden könnten.

Der Grund dafür ist simpel: Eine konventionelle Glühbirne wandelt nur fünf Prozent der eingesetzten Energie in Licht um, 95 Prozent werden als Wärme abgestrahlt. Dabei wird ein Wolframdraht durch Strom zum Glühen gebracht. Erfunden hat sie im Jahr 1854 übrigens der Deutsche Heinrich Göbel. Doch erst 25 Jahre später verbesserte Thomas Alva Edison die Glühlampe so, dass sie industriell hergestellt werden konnte. Schon in den 20er Jahren erfand Carl Auer von Weisbach die ersten marktreifen Leuchtstofflampen. In den achtziger Jahren wurden dann Kompaktleuchtstofflampen entwickelt.

Der Glühbirnenhersteller Osram erfand dann nach eigenen Angaben Mitte der 80er die ersten Energiesparlampen mit integriertem Vorschaltgerät. Bei Energiesparlampen erzeugt Strom UV-Licht, das für das Auge gar nicht sichtbar ist, das UV-Licht bringt Gaspartikel zum Leuchten. Mit einem Vorschaltgerät wird die Stromspannung so verändert, dass das Licht im Auge des Betrachters nicht mehr flackert. Außerdem spart diese Technik noch einmal rund 25 Prozent Energie.

Da Energiesparlampen kleine Mengen Quecksilber enthalten, dürfen sie nicht in den normalen Abfall geworfen werden. Seit einem Jahr müssen die Hersteller die Lampen zurücknehmen. Sie können entweder im Handel oder bei kommunalen Sammelstellen abgegeben werden. Die Frage, ob deshalb die Umweltbilanz ins Negative kippt, beantwortet das Öko-Institut eindeutig: Nein. Das Institut hat im Rahmen einer Effizienzkampagne unter dem Namen Eco-Top-Ten Energiesparlampen untersucht, und empfielt sie uneingeschränkt.

Halogenstrahler sind keine Energiesparlampen. Sie funktionieren im Prinzip wie Glühbirnen, nur dass Halogene, also Chlor, Jod oder Fluor, die Lichtausbeute erhöhen. Jedoch kündigte eine Sprecherin des Osram-Konzerns im Tagesspiegel an, bald eine Halogen-Energiesparlampe auf den Markt bringen zu wollen. Diese Lampen sollen sich auch dimmen lassen.

In Großbritannien ist man schon weiter. Dort dürfen nur noch Lampenfassungen verkauft werden, die ein Vorschaltgerät enthalten, in das die Energiesparlampen dann eingesteckt werden. Denn Vorschaltgeräte haben nach Angaben des UBA eine Lebensdauer von 40 000 Stunden, die Lampen selbst aber nur von etwa 8000 Stunden.

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