Zeitung Heute : Das Licht als Möbelstück

Der Lichtgestalter Stefan Rosenthal über seine Lieblinge und die richtige Beleuchtung

Nora Sobich

Bei der Gestaltung eines Raumes kommt die Inszenierung des Lichts in der Regel immer am Schluss. „Erst muss das Sofa stehen, bevor viele überhaupt über Beleuchtung nachdenken und meist kaufen sie sich dann auch lieber wieder ein neues Möbel, statt eine neue Leuchte“, meint Stefan Rosenthal, Lichtplaner und seit 1996 Inhaber der kleinen, wohl sortierten Berliner Lichtgalerie Rosenthal. Dabei ist kaum etwas so entscheidend für Atmosphäre und Stimmung wie das richtige Licht. Doch wie funktioniert es?

In den fünfziger Jahren entwickelten Mies van de Rohe und Richard Kelly für das New Yorker Seagram Building ein wunderbar überzeugendes Lichtkonzept. Es gibt das Licht zum Sehen, das die Grundhelligkeit im Raum bestimmt, dann das Licht zum Hinsehen, das einzelne Akzente setzt oder einzelne Teile des Raumes betont und schließlich das Licht zum Ansehen – hier ist die Leuchte selbst ästhetisches Objekt.

Stefan Rosenthal drückt sein Lichtkonzept anders aus: „Entweder ich habe eine unsichtbare Lichtquelle, die eine Atmosphäre schafft, oder ich betrachte das Licht selbst als Möbelstück.“ Eines der Lieblingsobjekte von Rosenthal in Sachen unsichtbarer Lichtquelle ist Ocular („Licht im Raum“), ein edles, äußerst reduziertes Leuchtensystem aus Aluminium mit gebürstetem Edelstahl. Es kam bereits vor fünfzehn Jahren auf den Markt und basiert auf einer Linse, die das Licht bündelt und in zwei Richtungen steuerbar macht. Setzt man Ocular etwa als Ess- tischleuchte ein, nimmt der Betrachter deswegen die Helligkeit im Raum kaum wahr, sondern nur das nach unten gerichtete Licht. Allgemein gilt für Rosenthal bei der Ausleuchtung von Räumen, dass nicht alles gleich hell sein sollte. Der Lichtunterschied dürfe auch nicht zu groß sein, da das Schauen in einen deutlich dunkleren Bereich die Augen ebenfalls anstrenge, die Pupille permanent auf und zu gehen lasse, „und am Abend ist man dann platt.“

In der RosenthaLichtgalerie fühlt man sich zwischen den minimalistischen, verspielten, poetischen, biederen, sachlichen, üppigen, versteckten, luxuriösen Lampenversionen, als stünde man in einem Vogelgeschäft. Es zwitschert zwar nicht, aber kann man die Lampen beim Leuchten beobachten, etwa die Pong (serien.lighting), eine kleine Tischleuchte, die beim Anknipsen wie eine Blume ihre Aluminiumschirm-Blütenblätter öffnet, die geckhaften Sitzsack-Lampen Magaret von Vico Magistretti (FontanaArte), die wie ein Edelstahl-Pelikan auf der Sofalehne sitzen. Oder den poetischen, straußeneigroßen Tisch-Licht-Ball aus Draht von Enzo Catellani, dessen Leuchtkraft sanft auf Berührung (Touchtronic) reagiert.

Rosenthal beschwört zwar ungern Trends, doch zur Zeit, so der Lichtplaner, seien eher die funktionalen, filigranen, „sich nicht so wichtig nehmenden“ Lampen gefragt. Etwa die Occhio (Axelmeiselicht), eine Stehleuchte mit zwei, ellipsenförmigen, flexibel verstellbaren Leuchtenköpfen. Ein Klassiker sei inzwischen auch die Deckenlampe Velo (FortanaArte), eine schwebende, geschwungene Glasplatte mit zeitloser Präsenz. „Ein leicht möblierendes und ein sehr gutes Licht.“ Schön sehen auch die Deckenleuchten „Strato“ des Berliner Designers Jörg Fahlenkamp (Fugat) aus – wie eine Mischung aus leuchtenden Filmrollen und Ufo hängen sie von der Decke. Bereits seit fünfzehn Jahren gibt es die technisch durchdachten, reduziert anmutenden Steh- und Tischleuchten von Baltensweiler, etwa die Trias-Leuchtenreihe, die Spagetto oder die Halo.

Auch wenn viele es sich wünschen, ein Licht, das sowohl hell, als auch warm und gemütlich ist, gibt es nicht. Deswegen hält Rosenthal auch das stets ein wenig künstlich inszenierende Dimmen für notwendig. „Ich wünsche mir doch einen Raum, in dem ich auch ohne Taschenlampe eine Stecknadel finden kann und auf der anderen Seite auch eine Atmosphäre habe, in der ich mich entspannt zurückziehen kann.“

Für welches Leuchtmittel – Halogen oder Glühlampe – man sich schließlich entscheide, sei egal. Halogen habe eine höhere Leistung pro Fläche, aber die Lichtfarbe sei die Gleiche. Die derzeitige Beliebtheit von Leuchtstofflampen und Farben im gewerblichen wie im privaten Bereich kann Rosenthal nicht teilen. Beleuchtung ist für ihn letztlich immer von der jeweiligen Architektur und Möblierung abhängig.

RosenthaLichtgalerie. Pohlstraße 64. www.rosenthalichtgalerie.de

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