Zeitung Heute : Das macht Freunde

Malte Lehming

Tony Blair reist als erster Besucher nach der US-Wahl zu George Bush. Er will den Präsidenten zu mehr Engagement in Nahost bewegen. Was muss hier von Bush – aber auch von Blair – in Zukunft getan werden?

Er ist der engste Freund des mächtigsten Mannes der Welt. Er ist ihm durch dick und dünn gefolgt. Er hat zu ihm gehalten, als der Rest der Welt sich abwandte. Wenn in Washington überhaupt ein Wort Gewicht hat, dann seins. Tony Blair und George W. Bush: Das ist eine politische Kameradschaft, deren Kennzeichen bedingungslose Treue ist. Allerdings war der Bund ungleich. Bush profitierte, Blair riskierte. Der Verbündete wurde „Pudel“ geschimpft. Wird jetzt seine Treue belohnt?

Als erster ausländischer Regierungschef reiste Blair am Donnerstag in die USA, um den altneuen US-Präsidenten im Weißen Haus besuchen. Kurz zuvor war der Brite noch kräftig bearbeitet worden. Javier Solana, gewissermaßen der EU-Außenminister, hatte ihm in London die Agenda der Europäer mit auf den Weg gegeben. Zwei Themen stehen darauf ganz oben – der Nahe Osten und Iran. Zu beiden teilt Blair eher die Position der EU als die von Bush. Das macht ihn zum perfekten Makler. Blair könnte der Mittler sein, der das transatlantische Verhältnis wieder ins Lot bringt.

Die Lage ist günstig. Die Briten übernehmen im Juli die Präsidentschaft in der EU und ein paar Monate später den Vorsitz in der G-8-Gruppe der industrialisierten Länder. Bush ist im Amt bestätigt und sucht den Ausgleich mit Europa und will das Ansehen Amerikas in der arabischen Welt verbessern. PLO-Chef Arafat ist tot, Israel räumt Siedlungen und zieht sich aus dem Gazastreifen zurück. Wenn nicht jetzt, wann dann? Der Friedensprozess im Nahen Osten wartet auf einen Neuanfang.

Das spürt auch die US-Regierung. Schon vor einer Woche wurden EU-Vertreter in Washington kurzfristig ins Weiße Haus eingeladen. Eine Frage beherrschte die Tagesordnung: Wie geht’s weiter in Nahost? An solch frühen Absprachen und Konsultationen mit den Verbündeten hat es in der Vergangenheit gefehlt. Offenbar schlägt die neue Aministration einen diplomatischeren Ton an. Blairs Visite soll diesen Eindruck verstärken.

Auf den Nahen Osten bezogen, sind die nächsten Schritte klar und zwischen den USA und Europa unstrittig. Die Palästinenser müssen vor einem Bürgerkrieg bewahrt bleiben und die Arafat-Nachfolge friedlich klären. Dazu gehören Wahlen. Nur eine demokratisch legitimierte neue Führung kann wieder in Verhandlungen mit Israel eintreten. Was einfach klingt, wird praktisch äußerst schwierig umzusetzen sein. Bush hat jede Hilfe zugesagt. Und Blair? Der hört solche Versprechungen gern. Nun kann er den Eindruck erwecken, das Ende der Eiszeit habe auch mit seinem Einfluss zu tun.

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