Zeitung Heute : Das Märchen vom Pils aus Pritzwalk

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Preußen ist untergegangen. Trotzdem begegnet uns der Name aus der Vergangenheit fast täglich – nicht nur in der Diskussion darüber, wie ein fusioniertes Bundesland aus Berlin und Brandenburg heißen soll. In unserer Serie zeigen wir, wo Preußen noch lebendig ist. Heute: das Preussen-Pils.

Es war einmal ein Bier, das kam aus einer Brauerei in Pritzwalk.Das Bier war sehr traurig, denn es hatten keinen richtigen Namen: „Pils“, „Porter“ oder „Alt“ stand auf den Etiketten. Das machte nichts, denn im fernen Berlin herrschten damals die roten Preußen. Denen war es egal, wie das Bier hieß.Hauptsache, die Schatzkammern füllten sich planmäßig. Das war einfach, denn gesoffen wurde immer. Doch eines Tages mussten die roten Preußen flüchten. Kaum waren sie fort, tauchte ein fremdes Bier nach dem anderen in Pritzwalk auf: bernsteinfarbene Schönheiten mit goldschimmernden Etiketten.Dem Namenlosen wurde angst und bange.Wie lange noch würde es gegen die stolzen Rivalen bestehen können? Doch Rettung nahte.EinMann kaufte die Fabrik, aus dem das Bier kam. Er schenkte ihm nicht nur besseren Geschmack und eine neue Flasche, sondern auch einen Namen: Preussen-Pils. Wohlgemut wagte sich das Bier in die weite Welt hinaus. Alsbald eroberte es Spar, Edeka und Kaufland. Eines Tages wurde es gar von der Königin der Kaufhäuser an den Hof gerufen. Und wenn das Bier nicht ausverkauft ist, dann steht es heute glücklich und zufrieden in der KaDeWe-Feinschmecker-Etage. ling

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