Zeitung Heute : Das Netz ohne doppelten Boden

Maurice Shahd

Ein 19-Jähriger war für zwei Tage „Besitzer“ von Ebay. Wie konnte es zu diesen – und kann es zu weiteren – Schwachstellen im Internet kommen?

„Drei, zwei, eins – meins.“ Der Werbespruch des Online- Auktionshauses Ebay ließ sich in der vergangenen Woche zumindest zweitweise nicht in die Tat umsetzen. Gebote kamen nicht an, die Internetseite von Ebay war für Stunden nicht zu erreichen. Für viele Händler bedeutete das einen finanziellen Verlust, weil kurz vor Ende einer Auktion meist die höchsten Gebote für eine Ware eingehen. Wie sich jetzt herausstellte, ist ein 19-jähriger Schüler aus dem Landkreis Helmstedt für die Störung verantwortlich. Das Landeskriminalamt Niedersachsen durchsuchte das Elternhaus des Jugendlichen und beschlagnahmte dessen Computer. Jetzt droht ihm eine Anklage wegen „Computersabotage“.

Eigentlich hatte der Schüler nach seiner Aussage bei der Polizei nur „aus Spaß“ den Umzug der Internetadresse www.ebay.de – und anderer Anbieter wie Amazon, Google und Web.de – beantragt. Dabei gab er sich als Inhaber der Internetadressen aus. Während die anderen On-

linedienste diesen Wunsch ablehnten, reagierte Ebay nicht. Im Internet wird das als Zustimmung gewertet, und die Übertragung der gesamten Webseite von Ebay auf einen fremden Computer konnte erfolgen. Das ganze lief – wie im Internet üblich – automatisch ab. Hier liegt nach Ansicht von Experten die Schwachstelle des Systems. Der Internetdienstleister, bei dem die Ebay-Seiten landete, merkte selbstkritisch an, man hätte wohl telefonisch nachfragen sollen, ob das Auktionshaus der Aktion zustimmt.

War in diesem Fall wohl ein Systemfehler Ursache der Störung, liegen die Gefahren im Internet häufig an der eigenen Unachtsamkeit. Zuletzt versuchten Betrüger, sich die Zugangsdaten für Bankkonten zu erschleichen. Im Namen der Banken verschickten sie massenhaft E-Mails und forderten die Empfänger auf, im Rahmen eines fingierten „Sicherheitschecks“ ihr Passwort zu nennen. Wer aber freiwillig seine Daten preisgibt, kann nicht auf die Kulanz der Banken hoffen.

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