Das neue Mittel gegen Knöllchen : Schnee hilft

Schnee, überall Schnee. Erfahrene Autofahrer verstehen dies als Risiko, aber auch als Chance. Denn sie wissen, wie man das Ausbuddeln des Wagens auf andere abschiebt: Einfach falsch parken, dann erledigen das die Leute vom Ordnungsamt, während sie nach Autonummer, Parkvignette, Umweltplakette und all dem anderen Lametta suchen, das ein Auto heutzutage ausmacht.

Leider: Der Trick klappt in Berlin nicht mehr. Denn humorlose Fahrzeughalter, die die Arbeit des Ordnungsamts persönlich nehmen, sind zuletzt so oft wegen angeblicher Beschädigungen vor Gericht gezogen, dass einige Stadträte den Ärger satt haben. In Mitte beispielsweise gilt die Weisung: Hände weg vom Schnee auf dem Auto. Wer den Scheibenwischer hochzieht, um ein Knöllchen drunterzustecken, der riskiert Schäden am festgefrorenen Wischerblatt, wer ein Loch in den Schnee gräbt, um nach der Quittung aus dem Automaten oder der grünen Plakette zu suchen, der muss befürchten, dass ihm der Besitzer später einen Kratzer auf der Scheibe anzuhängen versucht.

Es herrscht bekanntlich Krieg zwischen Autofahrern und Ordnungsamtlern, das Klima ist ziemlich vergiftet, kein Wunder, wenn einem der eben nach halbstündigem Suchen gefundene Parkplatz auch noch als illegal vermiest werden soll. Üblich sind Kommunikationsformen wie Kratzen, Schlagen, Treten; feinere Leute drohen einfach pauschal mit ihrem Anwalt.

Folglich ist es nicht das geringste Verdienst dieses Extremwinters 2.0, dass er Frieden schafft auf den Straßen und in den Parkbuchten. Für jedes zugeschneite Auto gilt, knöllchentechnisch, die Unschuldsvermutung, umgekehrt kann aber kein Autobesitzer gezwungen werden, sein Auto zwecks Beweissicherung selbst auszugraben. Es mag sein, dass spitzfindige Ordnungshüter mit dem Argument kommen, ein unberührtes, jungfräulich verschneites Auto könne ja drinnen hinter der Scheibe unmöglich eine gültige Parkgebührenquittung enthalten – aber das sind Spezialfälle fürs Jurastudium.

Wir wollen hiermit keinesfalls zu Ordnungswidrigkeiten aufrufen! Sie könnten beispielsweise darin bestehen, das Auto abzustellen und dann nicht die Gebühr zu entrichten, sondern reichlich Schnee vom Trottoir blickdicht aufs Auto zu häufen. Das spart Geld, ist gut für die Gesundheit und hilft auch den Schneeräumdiensten bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit, mit anderen Worten: Es wäre perfekt, zwar irgendwie illegal, aber bei geringem Risiko.

Aber wollen wir nicht alle Tauwetter zwischen Autofahrer und Ordnungsamt? Der vorbildliche Fahrer gräbt den Blick durch die Scheibe zuvorkommend selbst frei. Und stellt sich der Prüfung durch den Staat ohne Tricks. bm

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