Zeitung Heute : Das neue US-Magazin gibt sich in der ersten Nummer politisch

Gerti Schön

Noch bevor Tina Browns "Talk"-Magazin am Dienstag für 2 Dollar 50 auf den US-Markt kam, war es schon in aller Munde - sogar schon bevor die ersten Zitate der Psycho-Saga aus dem Hause Clinton veröffentlicht wurden. Es gab Dutzende von Geschichten darüber, wie der New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani eine "Talk"-Eröffnungsparty auf stadteigenem Territorium verbot, weil er missbilligte, dass seine Erzrivalin Hillary Clinton um einen Sitz im US-Senat auf dem Titelblatt erschien. Sogar eine Satire-Webseite tauchte im Internet auf, die von den Verlegern erst verboten, auf Browns Betreiben aber wieder erlaubt wurde.

Das Monatsmagazin hat eine anfängliche Auflage von 500 000 und wird auf dünnem Hochganzpapier gedruckt. Die anvisierte Leserschaft soll trendy und gut gebildet sein, in Browns Worten: "Magazine müssen aufregend sein, aber sie müssen auch ein Ort sein, wo die Leute intellektuell picknicken können". Um diesem Anspruch gerecht zu werden, erscheinen in der ersten Ausgabe erstaunlich viele Geschichten mit politischen Hintergrund. Neben dem Interview mit Hillary Clinton sticht eine Story über den US-Diplomaten Richard Butler hervor, der seinen Bruch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan über die Waffeninspektionen imIrak beschreibt. Butler wirft Annan unter andem vor, er habe Probleme mit Saddam Hussein mit "Papier zugedeckt" zu Gunsten des Diktators agiert.

Weitere Polit-Geschichten mit "Human Touch" sind die Story des Überlebenden eines Hutu-Angriffs und die eines Schriftstellers, der zu dem Wohnwagenpark zurückkehrt, in dem er früher gelebt hat. Dort scheint zunächst alles wie immer - allerdings haben die Bewohner inzwischen Internetanschluß. "Talk" setzt auf eine Mischung aus gesellschaftlich relevanten Themen mit boulevardesken Aufhängern.

Eine überraschende Sichtweise will Tina Brown bei der Fotografie pflegen: Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow wird in einem Minikleid im Barbie-Stil abgelichtet, während Bettie Page, ein Pinup-Girl der 50er, in Leder gezeigt wird. Die beiden Schauspieler Esther Williams und Rupert Everett treten als bisexuelle Variante von James Bond auf. Auch der Tod von JFK jr. wird durch eine Reihe von bisher unveröffentlichten Fotos, auf denen er als Elfjähriger gezeigt wird, thematisiert. Der Redaktionsschluß der "Talk"-Erstausgabe wurde dafür nach hinten verlegt.

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