Zeitung Heute : Das nötige Kleingeld

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In Deutschland werden die EinCent-, Zwei-Cent- und Fünf-Cent-Münzen knapp. Wie kam es dazu?

Die Globalisierung ist schuld daran, dass in Deutschland die Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen knapp werden. Wie das? Die weltweite Nachfrage nach Stahl ist zurzeit so groß, dass der Rohstoff für die Münzen – die einen Stahlkern haben, der mit einer Kupferschicht überzogen ist – knapp wird. So kaufen etwa die Chinesen, deren Wirtschaft boomt, den Stahlmarkt leer. Das hat zu einem enormen Anstieg der Preise geführt, die die Hersteller der Münzrohlinge nicht mehr bezahlen können. Die Bundesbank kann deshalb nicht einfach mehr Münzen prägen lassen, obwohl das Finanzministerium schon vor einem Jahr mehr als 2,7 Milliarden neue Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen in Auftrag gegeben hat. Auch die europäischen Nachbarländer kämpfen mit einer ähnlichen Münzknappheit, so dass sie nicht kurzfristig aushelfen können. Die Bundesbank musste deshalb notgedrungen die deutschen Haushalte auffordern, ihr Kleingeld auszugeben. Andernfalls gehe Banken, Werttransportern und dem Einzelhandel bald das Wechselgeld aus. Der Metro-Konzern ließ schon Lastwagen voller Münzen aus Österreich heranschaffen. Doch auch diese Quelle versiegt, denn der Bedarf des deutschen Unternehmens macht schon 20 Prozent des gesamten Bedarfs der Österreicher aus.

Die Globalisierung ist es aber nicht allein, die die Münzbestände in deutschen Geldbeuteln verknappt. Umfragen belegen, dass das Kleingeld vielen Deutschen einfach lästig ist. Deshalb lassen sie es lieber liegen, statt es beim Einkauf mitzuschleppen. Vielleicht sollte die Bundesbank wieder Günther Jauch für ihre Zwecke einspannen: Er lockte den Deutschen in einer Imagekampagne zur Euro-Einführung rund zehn Milliarden Pfennig-Kupfermünzen aus der Tasche. mot

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