Zeitung Heute : Das Parlament im Wohnzimmer

Der Tagesspiegel

Wenn von Phoenix die Rede ist, denkt man gleich an politische Live-Übertragungen. Dabei hat Phoenix drei Schwerpunkte: Ereignisübertragungen, Dokumentationen und Gesprächssendungen.

Hauser: Live-Theater wie im Bundesrat bei der Zuwanderungsdebatte ist schwer zu überbieten. Aber die Gesprächssendungen und Dokumentationen tragen ebenso zum Image von Phoenix bei. Das zeigen die Quoten.

Wann sind bei Ihnen die Quoten besonders hoch?

Radke: Wenn die politische Lage turbulent ist. Die höchsten Einschaltzahlen hatte Phoenix bisher während des Kosovo-Krieges, im Verlauf der CDU-Spendenaffäre und mit der Berichterstattung über die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001. Große Resonanz haben regelmäßig Parlamentsdebatten und alle Filme zur Zeitgeschichte.

Fünf Jahre Phoenix – gab es niemals ein Wackeln bei ARD und ZDF, ob hier das richtige Programm veranstaltet wird?

Hauser: Nein. Da gab und gibt es keine Wackel-Kandidaten. Warum sollte es sie auch geben? Das Programm ist erfolgreich und passt exakt ins öffentlich-rechtliche Profil.

Stimmt die These: Der Erfolg von Phoenix bedeutet eine Verlagerung des Parlamentarismus in den Fernsehraum hinein? Es gibt ja das Bonmot „Ohne Phoenix is nix“.

Radke: Der Bundestag, die Landtage und nicht zu vergessen der Bundesrat haben jedenfalls bei Phoenix eine Fernsehpräsenz wie nie zuvor. Der Bundestag hat jetzt Phoenix-Kameras zu Anhörungen der ständigen Ausschüsse zugelassen. Das ist ein weiterer Schritt zur Stärkung der politischen Öffentlichkeit.

Ein derartiges Programm-Profil erzeugt auch Erwartungen. Wie begründen Sie gegenüber den Parteien eigentlich, dass eine Parteiveranstaltung nicht übertragen wird?

Hauser: Das ist nicht so schwer. Aktualität hat Vorrang, und bei den Wahlkampfveranstaltungen gehen wir nach einem festgelegten Schlüssel vor. Das hat sich bewährt und ist auch akzeptiert. Aber dass es in den Parteien immer auch ein paar Unbelehrbare gibt, gehört zum Geschäft. Das muss man aushalten.

Warum braucht man denn einen festgelegten Schlüssel?

Hauser: Weil wir damit der vom Grundgesetz und Verfassungsgericht geforderten Chancengleichheit am besten gerecht werden. Die Festlegung nimmt die Redaktion vor. Die Justitiare von ARD und ZDF beraten uns.

Am 22. September findet die Bundestagswahl statt. Phoenix will über den Wahlkampf der Parteien ausführlich berichten – getreu dem inoffiziellen Sendermotto „Allen wohl und niemandem wehe“?

Radke: Irrtum. Ob wohl oder wehe ist uns nicht wichtig. Wir werden mit Sicherheit auch Themen diskutieren, die die offizielle Wahlkampfrhetorik vernachlässigt. Lassen Sie sich überraschen! Aber Informationsprogramme haben besonders in Wahlkampfzeiten ausgewogen das Spektrum der politischen Positionen zu spiegeln. Da macht Phoenix keine Ausnahme.

Ihr Sender versteht sich als „Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF“. Wann erfolgt der Aufstieg zum Nachrichtenkanal?

Hauser: Das ist überhaupt nicht im Gespräch. Und wieso eigentlich Aufstieg zum Nachrichtenkanal? Phoenix macht doch das wirklich interessante Angebot!

Das Gespräch führte Joachim Huber.

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