Zeitung Heute : „Das Preisgeld leg’ ich an“

Stefan Ankirchner schrieb in Adlershof seine Dissertation über den Wert geheimer Informationen

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Wie würden Sie einem Laien das Thema Ihrer Arbeit „Information and Semimartingales“ in drei Sätzen erklären?

Im ersten Teil meiner Dissertation geht es um rein mathematische Fragestellungen, die die Beschreibung von zufälligen Prozessen betreffen, wobei speziell die Abhängigkeit dieser Beschreibungen von dem Blickwinkel untersucht wird, aus dem man einen Prozess wahrnimmt. Danach werden diese abstrakten Resultate angewandt, um ökonomische Modelle über Insiderhandel auf Finanzmärkten zu verfeinern. Es werden Methoden entwickelt, mit denen sich der Nutzenvorteil eines Insiders gegenüber normalen Investoren berechnen lässt.

Wie hat der Wissenschaftsstandort Adlershof Ihre Arbeit unterstützt?

Zunächst mal hatte ich in Adlershof ein schönes geräumiges Büro, was gar nicht so selbstverständlich ist, wie ich hier in London sehe. Darüber hinaus habe ich die Bibliothek in Adlershof sehr geschätzt. Und den intensiven Austausch mit den Mitarbeitern und den Gastwissenschaftlern.

Es geht in Ihrer Arbeit darum, einen Wissensvorsprung zu beziffern. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Bevor ich nach Berlin kam, haben dort schon einige an diesem Thema gearbeitet. So gab es zum Beispiel schon eine Dissertation über dieses Thema und auch mein Betreuer, Professor Peter Imkeller, hatte zu diesem Thema schon einige Arbeiten veröffentlicht. Es gab aber noch ein paar offene Fragen, die mich gereizt haben. Was ich auch sehr schön fand an dem Thema ist, dass es rein mathematisch sehr interessant ist, und dass man es aber zugleich auch ganz praktisch anwenden kann.

Der Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper soll den Chef des Daimler-Chrysler-Großaktionärs Deutsche Bank, Josef Ackermann, vor der Rücktrittsankündigung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp über dessen Pläne informiert und damit gegen Insiderregeln verstoßen haben. Nach Schrempps Rückzug stieg der Kurs des Unternehmens und die Deutsche Bank verkaufte Aktien. Wie würden Sie hier den Nutzen der Insiderinformation beziffern?

Um das zu berechnen, müsste man noch einiges genauer untersuchen: zum Beispiel um wie viel normalerweise Aktienkurse steigen, wenn ein Konzernchef unter vergleichbaren Umständen zurücktritt, wie volatil die Aktie normalerweise ist, und so weiter. Wenn man diese Informationen sammelt, zum Beispiel durch statistische Untersuchungen dann könnte man den Nutzen solcher Insiderinformationen berechnen.

Wenn Sie an solche Insiderinformationen herankämen – welche würden Sie am liebsten haben?

Im Prinzip jede Insiderinformation, mit der sich eine Kursentwicklung ziemlich sicher vorhersagen lässt.

Würden Sie sich in Deutschland für eine Aufsichtsbehörde stark machen, wie sie die USA bereits eingerichtet haben?

Soweit ich weiß, ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auch für Insiderüberwachung zuständig. Ob die allerdings so streng vorgeht, wie die entsprechende Behörde in den USA, weiß ich nicht. Wenn nicht, würde ich mich auf jeden Fall dafür stark machen.

Was werden Sie mit Ihrem Preisgeld in Höhe von 3000 Euro anfangen?

Erst mal anlegen, und vielleicht einen Laptop kaufen.

Das Gespräch führte Reinhart Bünger.

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