Zeitung Heute : Das Reich des Dosenkavaliers

In Fuschl am See ist die Zentrale eines Welt-Imperiums: Red Bull. Und mit dem vielen Geld wird gekauft, was sich kaufen lässt.

Esther Kogelboom

Als der Österreicher Dietrich Mateschitz 1982 als Zahnpasta-Manager nach Ostasien reiste, hätte er wohl nicht zu träumen gewagt, dass das „Forbes“-Magazin im März 2008 sein Vermögen auf vier Milliarden Dollar schätzen würde. Doch ihm dämmerte damals schon: Das mit dem Krating Daeng, das ist keine schlechte Idee.

Krating Daeng wurde in Thailand seit Anfang der 70er Jahre verkauft, lange bevor es die Bezeichnung „Energy Drink“ überhaupt gab. Mateschitz müssen Geschmack und Wirkung des Getränks gefallen haben, vielleicht hatte es seinen Jetlag kurzfristig kuriert, jedenfalls kündigte er seinen Job bei Blendax und kaufte die Lizenz für Krating Daeng.

1984 dann gründete Mateschitz in Fuschl am See bei Salzburg die Red Bull GmbH, 1987 launchte er die erste Dose mit den beiden schnaubenden Bullen. Bereits auf dem Etikett der kleinen braunen Glasflaschen aus Thailand waren zwei Bullen abgebildet – das Getränk enthält Taurin, was früher aus Stiergalle gewonnen wurde, heute synthetisch aus Ethen, Ammoniak und Natriumsulfit hergestellt wird.

Und ein Bulle, das müssen sich Mateschitz und seine Marketingexperten gedacht haben, quillt schier über vor Kraft. Ist er erst so richtig in Fahrt, gibt es nichts mehr, was ihn stoppen kann.

Die Flüssigkeit, die sich von Krating Daeng im wesentlichen durch die Zugabe von Kohlensäure unterscheidet, kam genau zum Techno-Boom auf den deutschen Markt – eine Punktlandung. Denn auch in der Clubszene Anfang der 90er ging es darum, durchzuhalten. Der Frontmann der Band Scooter, H.P. Baxxter, schwört auf Red Bull mit Wodka, wenn er sich auf einen Auftritt vorbereitet. Heute steht Red Bull in über 100 Ländern in den Tankstellenregalen.

Als genial gilt, wie Dietrich Mateschitz geschafft hat, seine Marke zur bekanntesten Österreichs werden zu lassen: mit ein paar Strichmännlein und dem Slogan „Red Bull verleiht Flügel“, den sich Mateschitz-Freund Hansl Kastner von der Agentur Kastner & Partner ausdachte, und natürlich mit dem inzwischen fast weltumspannenden Netz von Kultur-Sponsoring.

„Sponsoring“, das Wort ist im Reich des Dosenkavaliers nicht gern gehört. „Als ,Sponsor’ bezeichnet man klassischer Weise das, was Marlboro bei Ferrari macht, oder Emirates bei Arsenal etc. Wir fahren Formel 1, wir spielen Fußball, wir erfinden unsere eigenen Events und Serien und sind für Ergebnis und sportliche Leistung selbst verantwortlich“, so Mateschitz.

Würde man alles aufzählen, wo Red Bull draufsteht, käme man mit einer Tapetenrolle nicht aus. Nur ein kleiner Auszug: FC Red Bull Salzburg (Fußball), EC Red Bull Salzburg (Eishockey), Red Bull New York (frühere MetroStars, Fußball), Red Bull Racing (Formel 1), Red Bull Natural Thrill (Klettern), Red Bull Pedal Power (BMX), Red Bull White Rush (Skaten), Red Bull Flugtag (Teilnehmer stürzten sich mit selbstgebastelten Konstruktionen zum Beispiel in den Wannsee), Red Bull Music Academy (junge Talente versammeln sich, dieses Jahr beim Sonar-Festival in Spanien), und so weiter.

Mateschitz gibt Geld für Sachen, vor denen Eltern gerne warnen – das macht rund ein Drittel seines schier bodenlosen Etats aus. Sogar ein eigenes Magazin hat er erfunden: das „Red Bulletin“, das jeden ersten Dienstag im Monat acht Tageszeitungen gratis beiliegt und mit einer Auflage von 1,1 Millionen Exemplaren das größte Magazin Österreichs ist. Hier berichten Journalisten aus dem Umfeld der „Events“, hier beißt sich der Bulle selbst in den Schwanz.

Auch einen Kleinjungentraum hat sich Mateschitz erfüllt, den „Hangar-7“ in Salzburg. Seit 2003 hat er seinen eigenen Palast für seine Flugzeugsammlung, ein Edel-Restaurants, seinen eigenen kulturellen Kosmos, den die Salzburger Prominenz gern frequentiert.

Ist nur noch die Frage, wann die Salzburger Festspiele in Red Bull Festspiele umgetauft werden – aber da ist Mateschitz sicher schon dran.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar