Zeitung Heute : Das Rezept: und das Pils dazu (zur Ente)

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Der Mann war Bayer, trauen wir ihm also eine gewisse Kompetenz in diesen Dingen zu: "Können Sie mir vielleicht ausnahmsweise eine Zeitlang im Monat zwei Kisten" liefern, schrieb Bertolt Brecht 1956 an die Radeberger Pilsner Brauerei, denn der Dramatiker litt furchtbar unter dem, was die DDR sonst so als Bier verkaufte.

Ob die vormaligen sächsischen Hoflieferanten dem Wunsch entsprechen konnten, ist nicht überliefert. Leicht wird es nicht gewesen sein, denn der Dichter meinte ausdrücklich die Exportversion, nicht die gewöhnliche Handelsware, die statt mit Gerstenmalz mit unvermälzter Gerste oder anderen Getreiden gebraut war. Heute ist dieser Ruch der Exklusivität längst verloren. Den Hopfen kaufen die Sachsen heute weltmännisch auf dem halben Globus zusammen und Radeberger gibt es inzwischen auch bei Getränke Hoffmann, für 1,28 DM den halben Liter. Da steht die Flasche mit dem Goldhals nun also neben allerlei anderen Sorten, die sich alle mit Prädikaten wie Reinheitsgebot oder Premium-Pils schmücken - und macht aucn unter den neue Bedingungen immer noch eine gute Figur im Glas. Stärker gehopft als der Durchschnitt, der Schaum feinporig und stabil, aber noch lange nicht schnittfest, die Farbe von klarem, hellen Pilsener-Gelb, feinperlig und von jener ausgewogenen Bitterkeit, die ein gutes Pilsener eben auszeichnet. Eigentlich viel zu schade, um es so schwuppdiwupp über die Bier-Ente zu kippen. Aber, wie sagt die Köchin Carmen Krüger in ihrem Rezept: Es muss ein Bier sein, das auch dem Koch schmeckt.

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