Zeitung Heute : DAS RICHTIGE FREIZEITPROGRAMM

Uwe Schlicht

Warum regen die internationalen Pisa-Tests die Deutschen so auf? Erstmals konnte mit Hilfe dieser Tests festgestellt werden, dass 23 Prozent der 15-Jährigen in der Schule so niedrige Kompetenzstufen erreichen, dass sie als Risikokandidaten gelten, die spätestens in der Berufsausbildung scheitern. Dennoch: Bildung geschieht nicht nur in der Schule. Die wichtige Frage, wie Schüler mit ihrer Freizeit umgehen, wird in den Pisa-Untersuchungen der OECD allenfalls angedeutet. Seit den renommierten Shell-Studien (Stichproben von mehr als 4500 Jugendlichen) wissen wir, dass es in der Freizeit zwei Leitmedien gibt: den Computer mit dem Zugang zum Internet und das Fernsehen. Eine Gruppe von Jugendlichen steht auf Computer, die andere auf Fernsehen.

Die leistungsorientierte Gruppe umfasst immerhin etwa 65 Prozent aller Jugendlichen. Sie hat eine klare Orientierung auf die Berufswelt, ist zur Mobilität bereit und verfügt über gute Fremdsprachenkenntnisse. Das Fernsehen steht für diese Jugendlichen nicht im Mittelpunkt der Freizeit. Dagegen besitzen die Informationsmöglichkeiten durch Computer und Internet für sie einen hohen Stellenwert als Lernmedium. Die Spaßgesellschaft ist für sie Nebensache.

Die andere Gruppe – sie umfasst ein Drittel aller Jugendlichen – bevorzugt das Fernsehen. Bis zu drei Stunden täglich sitzen diese Sorgenkinder vor der Glotze. Sie stammen laut Studie aus Familien in einer sozialen Krisensituation oder aus überbesorgten Elternhäusern, die ihre Kinder vor allen Risiken bewahren wollen. Sie trauen sich nicht zu, selbstständig die Zukunft zu meistern, reagieren nicht langfristig, sondern eher situationsbedingt und verändern Haltungen öfter, wenn ihnen danach zumute ist. Sie wollen sich in der Spaßgesellschaft ausleben. Das Abitur ist für viele unerreichbar.

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