DAS SAGEN DIE BERLINER RICHTER : Ein zu rasches „Nein, danke“ kann Argwohn wecken

FRAUEN GESUCHT
Ein Verlag suchte in einer Anzeige nach Mitarbeiterinnen mit Migrationshintergrund, weil er den Anteil weiblicher Führungskräfte im Journalismus erhöhen wollte. Einem abgewiesenen Mann musste er dafür eine Entschädigung von drei Monatsgehältern zahlen. Das Argument, weibliche Führungskräfte akquirieren zu wollen, greife nicht, wenn lediglich eine Volontärin gesucht werde. (Arbeits-gericht Berlin, AZ: 42 Ca 1530/14)

HIV-POSITIV
Wird ein HIV-positiver Arbeitnehmer auf eine intern ausgeschriebene Stelle als einziger Bewerber nicht eingeladen, ist das ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz; 1000 Euro Entschädigung waren fällig. (Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, AZ: 12 Sa 1385/08)

KOPFTUCH
Das Arbeitsgericht Berlin entschied, dass eine muslimische Frau, die sich als Zahnarzthelfern bewirbt, nicht aus dem Bewerberkreis ausgeschlossen werden darf, weil sie angibt, ihr Kopftuch aus religiösen Gründen auch während der Arbeit tragen zu wollen. Dadurch werde sie als Muslimin diskriminiert. Schadenersatz: drei Monatsgehälter. (ArG Berlin, AZ: 55 Ca 2426/12)

SCHNELLE ABSAGE
Wird eine Bewerberin um eine Stelle in einem Kunstverein bereits kurz nach Eingang ihrer Unterlagen abgewiesen, so ist zu vermuten, dass es sich um eine Diskriminierung wegen ihrer ethnischen Herkunft – sie kam aus der Dominikanischen Republik – handelt. Dass der Arbeitgeber ausschließlich nach „deutschen Muttersprachlern“ gesucht hatte, half ihm nicht – zumal die Bewerberin fließend Deutsch sprach, einen Magister für Medienwissenschaften sowie einen Master in Kunst besaß und Berufserfahrung als Kuratorin, Referentin, Redakteurin und Publizistin hatte. (ArG Berlin, AZ: 55 Ca 16952/08)

(mht)

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