Zeitung Heute : Das Schweigen

Der Foto-Streit und die Folgen: Die Frage nach den Rechten an Bildern und Tönen der Bundesliga bleibt ungeklärt

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Von Kai Kolwitz

Es gibt Momente, da ist das Leben fern der Heimat einfach nur lästig. Samstagnachmittags zum Beispiel: Inforadio garniert die Bundesliga-Konferenz im Radio mit ungefähr 37 Vor-, Nach- und Zwischenberichten aus dem Olympiastadion und dem Cottbusser Stadion der Freundschaft, während zum Beispiel Borussia Mönchengladbach nur dann eine Chance auf größere Erwähnung hat, wenn es gegen Bayern München geht.

Meistens hat der Computer für alles eine Lösung. Also Rechner an, die WDR-Website aufgerufen, und dann – DSL sei Dank – dürften die Berichte der legendären WDR2-Sportzeit-Sendung in 32-kBit-Qualität als Live-Stream über die Boxen laufen. Sollte man zumindest meinen. Doch obwohl sich die Radioprogramme der meisten Sender unter der Woche flächendeckend und 24 Stunden pro Tag via Internet empfangen lassen, herrscht während der Bundesliga-Berichterstattung öffentlich-rechtliche Stille im Netz. Der Grund für die stumm gestalteten Streams ist, dass die Deutsche Fußball-Liga zusammen mit Kooperationspartner Altus Media eine eigene Audio-Berichterstattung für den Verbreitungsweg Internet produziert und den klassischen Radiosendern untersagt hat, die Berichterstattung aus den Stadien über das Web zu verbreiten.

„Wir wollen die Konferenz-Schaltung verhindern“, gibt Anette Mahr zu. Sie arbeitet für die von DFL und Altus verantwortete Liga-Website bundesliga.de. Hierfür sitzen Kommentatoren in allen Stadien der ersten und zweiten Liga und übertragen die Partien in voller Länge als Audio-Stream ins Netz. Derzeit lässt sich mit Bayern München und Wacker Burghausen zwar noch kein Geld verdienen, aber der Markt wächst. Man hofft, mit der Seite über Werbung, den Verkauf der Streams an konventionelle Radiosender und vielleicht in ferner Zukunft auch über direkte Nutzungsgebühren Erlöse zu generieren. Bis zu 100 000 User haben sich in der Endphase der vergangenen Saison pro Spieltag laut Mahr in die Übertragungen eingeschaltet, Tendenz steigend.

Der Streit ums Radio im Internet ist nur einer von mehreren Kleinkriegs-Schauplätzen. In Sachen Bundesliga-Berichterstattung und Rechte ist vieles nicht geklärt. In Hamburg lassen derzeit der Privatsender Radio Hamburg und die DFL vor Gericht die Frage klären, ob den Reportern des Senders für ganz konventionelle Übertragungen kostenlos Eintritt in die Stadien gewährt werden müsse. Die erste Instanz ging an den Fußball-Verband. Trotzdem argumentiert auch ARD-Sprecher Alexander Hack wie die privaten Kollegen, dass es keine Radio-Rechte gebe und so auch keine veräußert werden könnten. Schließlich entstehe die Berichterstattung erst durch den Reporter und nicht durch das Spiel an sich.

Zwischen Foto-Agenturen und der Liga ist nach dem Eklat zum Saison-Auftakt richtiges Gift im Spiel. Zur Erinnerung: Da die DFL die Rechte für die Bildberichterstattung während des laufenden Spiels im Internet an Kirch Media vergeben hatte, boykottierten die Anbieter dpa, AP, ddp und Reuters den ersten Spieltag komplett und lieferten lediglich Schnappschüsse von verschlossenen Türen. Stein des Anstoßes war eine Erklärung, deren Unterzeichnung die DFL von allen Fotografen gefordert hatte und von der dpa-Sprecher Thomas Wedrich im Nachhinein sagt, sie sei unklar formuliert gewesen (siehe Kasten). Man habe sie so verstanden, dass während des laufenden Spiels überhaupt keine Fotos aus den Stadien hätten gefunkt werden dürfen – fatal für Tageszeitungen, bei denen bei Abendspielen vor dem Andrucktermin jede Minute zählt. Tatsächlich lieferten andere Anbieter die entsprechenden Fotos – mit dem Vermerk, dass diese während der Spieldauer nicht ins Netz gestellt werden dürften.

Doch auch hier geht es um Grundsätzliches. Nicht zuletzt um ein Geschäft, das sich beide Seiten nicht entgehen lassen möchten. Neben der Internet-Verwertung stehen weitere Technologien in den Startlöchern. Wer sich heute die Ergebnisse seines Teams via SMS aufs Handy schicken lässt, dem könnte man in Zukunft mittels I-Mode oder UMTS das entsprechende Torschuss-Foto mitliefern. Wer hierzu die Rechte besitzt, macht ein Geschäft. DFL-Sprecher Tom Bender wirft den Agenturen daher eine falsche Darstellung der Tatsachen vor und hält dagegen, dass sich das Ereignis Bundesliga zu einem nicht unwesentlichen Teil aus der Vermarktung genau solcher Rechte finanziere, mithin ohne Verkäufe auch keine Spiele existieren würden. Die Frage nach der Verwendung von Bildern und Tönen der Fußball-Bundesliga dürfte noch jahrelang ein Zankapfel sein.

Zurück zum Radio und den Streams im Netz. Für die laufende Saison wird sich an der Internet-Abstinenz der Öffentlich-Rechtlichen laut ARD-Mann Hack nichts ändern. Bleibt statt Kult-Reporter Günther Koch nur bundesliga.de.

Im Internet:

www.dfl.de

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