Zeitung Heute : Das Skateboard als Erinnerung

Die Streetwear-Messe Bright kleidet den in die Jahre gekommenen Skater – auch mit Schürze und Axt.

Regina Lechner

Der durchschnittliche Bright-Besucher ist schon ein wenig in die Jahre gekommen. Er ist mit der Skateboard-, BMX- und Surfszene aufgewachsen und erinnert sich gerne an die alte Zeit. Deshalb trägt er zum Beispiel Skate-Schuhe, die schon in seiner Jugend auf dem Markt waren. Dazu ein zugeknöpftes Hemd und ein schlichte Baseballkappe. Baggy-Pants haben allerdings ausgedient. Diesem Stil entspricht weitgehend das Angebot der Messestände, die sich über drei Etagen erstrecken.

Die ehemalige Stasizentrale in Lichtenberg diente wieder als Veranstaltungsort für die 15. Ausgabe der Streetwear- Messe, die gestern zu Ende ging. Dazu gehört auch eine Fotoausstellung, die sich nicht nur, mit Skate-Kultur auseinandersetzt sondern auch mit Jugendkultur im allgemeinen. Ein Teil der Labels präsentiert sich in den früheren Einzelbüros der Stasibeamten, die oft im Street Art-Stil ausgemalt sind. Ein Mix aus Skate-Decks an den Wänden, herumstehenden Getränkedosen und Magazinen auf den Tischen verströmt Jugendzimmer-Atmosphäre statt DDR-Mief.

Dieser improvisierte Charme passt zu den kleineren Marken, die sich auf diese Weise präsentieren. Neben kommerziellen Kleinunternehmen ist auch der Münchner Verein High Five vertreten, der mit einer T-Shirt-Kollektion seine Skate-Projekte für sozial benachteiligte Kinder finanzieren will.

Die größeren Ständen scheinen sich von diesem etwas gammeligen Charme distanzieren zu wollen: Parkettböden, Holz vertäfelt Wände und Kleiderständer kreieren eine detailverliebte Umgebung, die die Qualität der Produkte hervorhebt. Besonders sticht der Stand von Sitka heraus, einer kanadischen Surf-Brand, die nichts mit Hawaii-Mustern am Hut hat. Dafür überzeugt sie mit einer Mischung aus Indianer- und Bergsteiger-Look für sportive Frauen und Männern, ergänzt von einer überraschenden Auswahl an Accessoires wie Taschenmessern, Schürzen und einer Axt.

Schwere Stoffe, gedeckte Farben und ein allgemeiner Retro-Look dominieren das Angebot. Selbst Marken, die sich früher gerne mit quietschbuntem Mustermix austobten, reihen sich nun in diese Zurückhaltung ein.

Sicherlich, auf der Bright sind auch Decks, Rollen, Achsen und alles weitere zu finden, was man für ein solides Skateboard braucht. In der Überzahl sind jedoch die Bekleidungs- und Schuhmarken, die das rollende Brett als Deko-Element benutzen, das einen daran erinnern soll, wo man herkommt. Am cleanen Vans-Stand hängen zwei Flatscreens, auf denen alte Skate-Videos aus den Neunzigern laufen. Früher war eben doch alles besser.Regina Lechner

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