DAS SPIELE ICH : Bach macht die Welt besser

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Christian Rieger, Cembalist

Dass ein Pianist oder Cembalist Bach spielt, ist an sich nicht ungewöhnlich. Dass einer wie ich seit einem Jahr im Radialsystem V alles spielt, was dieser Komponist für Cembalo hinterlassen hat, offenbar schon. Warum ich das tue?

Weil Bach keine Note gesetzt hat, die nicht sinnvoll und schön wäre – und gut. Weil er Heimat und Behausung gibt. Nicht, um damit reich zu werden. Weil er Angst nimmt. Obwohl es auch andere gute Musik gibt. Weil es keine bessere Musik gibt. Obwohl Bach „sehr schwer zu spielen“ ist (Zitat eines meiner Studenten). Weil Bach die Welt besser macht. Weil er mich zu einem besseren Cembalisten macht. Obwohl man sehr viel dafür üben muss. Weil man sehr viel dafür üben muss. Weil es immer noch Veranstalter gibt, die verrückt genug sind, ein solches Projekt mitzutragen. Weil es nur ungefähr fünfzig Töne und zehn Finger braucht, um in eine unerhörte Parallelwelt vorzudringen. Weil ich ihn im Gegensatz zu einem berühmten Kollegen nie und nimmer für „überschätzt“ halte. Weil Bach das Cembalo geliebt hat. Weil auch ich das Cembalo liebe.

Weil ich darf.

Radialsystem: „Der ganze Bach – Alles fürs Clavier in 27 Folgen“ mit dem Cembalisten Christian Rieger, 1.5., 19-23 Uhr,

2.5., 16 Uhr Familienkonzert

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